Hat unser Land neue Väter ?

Ein wesentliches, wenn nicht vielleicht das wichtigste Verdienst der Väterforschung in den 70er-Jahren war in weiterer Folge die Erkenntnis, daß Väter grundsätzlich in demselben Ausmaß wie Mütter dazu befähigt sind, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen.
Das Konzept der Exklusivität der Mutter-Kind-Bindung, das sich für viele Mütter ja auch zugleich als Falle herausstellte – etwa in Hinblick auf den oftmals dadurch legitimierten Ausschluß vom Arbeitsmarkt -, erwies sich als nicht haltbar. Andere Untersuchungen beziehen sich auf die Bedeutung des Vaters für die kindliche Entwicklung. — Dabei konnten unter anderem mittelbare und unmittelbare Auswirkungen von Vätern auf die Geschlechtsrollenentwicklung oder auch die kognitive Entwicklung speziell ihrer Söhne nachgewiesen werden. In die gleiche Richtung weisen Studien über die Konsequenzen von Vaterabwesenheit. Diese erhöht zumindest das potentielle Risiko für Beeinträchtigungen im Leistungsbereich und vor allem auch in der psychosozialen Entwicklung, wie etwa für spätere Beziehungsprobleme in der eigenen Partnerschaft.

Väter sind in der Öffentlichkeit sichtbarer geworden und sie sind das Blickfeld der Politik gerückt.
Die Zahl der Väter, die sich bei der Geburt eines Kindes eine Auszeit nehmen, ist deutlich gestiegen. Nahmen 2006 noch 3,5% der Väter Erziehungsgeld in Anspruch, so liegt der Anteil der Väter, die Elterngeld beanspruchen, heute bei 21%. Doch für Männer ist es nicht einfach, neue Rollenmodelle zu entwickeln. Auf dem Spielplatz werden sie entweder angehimmelt oder ausgegrenzt. Sie sind in den Augen vieler  (immer noch?) Exoten, „Desperate Househusbands – Verzweifelte Hausmänner“.

Obwohl sich die dementsprechend “Neue Väter” also, absolut gesehen, nach wie vor deutlich in der Minderheit befinden, und trotz mancher berechtigten Vorbehalte, lassen sich die Forschungsresultate insgesamt dennoch als Trend zusammenfassen, daß die heutige Vätergeneration – natürlich im Durchschnitt betrachtet aufgeschlossener und positiver eingestellt ist gegenüber einer “Neuen Vaterschaft”, im Sinne eines hohen familiären Engagements und einer gleichberechtigten, partnerschaftlichen Aufteilung der Elternrollen, als etwa noch die Generation zuvor.

Unser Land hat „neue Väter“. Väter, die sich aktiv um Erziehung und Entwicklung der Kinder kümmern und dabei auch berufliche Nachteile in Kauf nehmen. Damit sollte sich die Arbeitsteilung in den Familien hin zu mehr Gleichheit in Rechten und Pflichten für Mütter und Väter auch verändern.
Diesen relativ offenen Grundhaltungen steht nun allerdings, wie wir alle wissen, eine Realität gegenüber, bei der von einem gleichhohen Anteil der Mütter und Väter an familiären Belangen keine Rede sein kann.
Es scheint daher auch aus familienpsychologischer Perspektive notwendig, eine engagierte und verantwortungsbewußte Familienpolitik, die sich auch ihrer potentiellen gesellschaftspolitischen Vorreiterrolle bewußt ist, einzufordern.
Ziel, sowohl aus familienpolitischer wie auch aus familienpsychologischer Sicht sollte wohl sein, beiden Elternteilen eine echte Auswahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Modellen zu ermöglichen, um das von ihnen gewünschte Arrangement verwirklichen zu können, sei es nun das traditionelle – mit einem vollzeitarbeitenden Vater und einer sich primär um Haushalt und Kinder kümmernden Mutter – oder aber jenes Modell mit einem “Neuen Vater”, der im wesentlichen seine Zeit ausgewogen und seinen Vorstellungen gemäß der Familie und außerfamiliären Tätigkeiten widmet ebenso wie auch seine Partnerin. Die Entscheidung für dieses Modell beinhaltet gleichzeitig eine große Chance auf tiefgreifende und nachhaltige Verbesserungen für zukünftige familiäre Lebensformen.

Quelle: familienhandbuch.de

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