Gerichtsverfahren um das Sorgerecht

Wie laufen die Gerichtsverfahren ab und welche Alternativen gibt es? -

Es ist wissenschaftlich erwiesen und dürfte allgemein bekannt sein, dass die Kinder am meisten unter der Trennung ihrer Eltern leiden. Wenn die Eltern total zerstritten oder verfeindet sind, lässt sich ein Rechtsstreit um die Kinder oft nicht mehr vermeiden.

Denn die betroffenen Eltern ist aber nicht klar, dass sie mit dem gerichtlichen Antrag auf Übertragung des alleinigen Sorgerechts das Schicksal der Kinder aus der Hand geben. Sie glauben vielmehr, Gerichte, Jugendämter, Psychologen und andere Fachleute würden den eigenen Standpunkt unterstützen und dem anderen Ehepartner schon zeigen, was für ein Erziehungsversager er ist. –

Im Laufe von langwierigen, sich dahinschleppenden Verfahren machen die Eltern dann aber die bittere Erfahrung, dass sich keine der angerufenen Institutionen dazu berufen fühlt, Ihnen so zu helfen, wie sie es sich wünschen.

Sie erleben dann schmerzlich, dass Außenstehende eher schematisch mit dem Sorgerecht umgehen, da sie die speziellen Bedürfnisse von Kindern und Eltern niemals so gut kennen, wie die betroffene Trennungsfamilie.

Die zuständigen Familiengerichte und die Familiensenate der jeweiligen Oberlandesgerichte betreiben die Sorgerechtsverfahren sehr unterschiedlich, teils nach dem Naturell der jeweiliger Richter, teils nach der familienrechtlichen Philosophie des jeweiligen Berufungssenats.

Letztlich lassen sich zwei entgegengesetzte Lösungsansätze bei den Gerichten feststellen, die das gesamte Feld möglicher Lösungen abstecken:

Der konservativ regelungsorientierte Lösungsansatz
Der progressiv erzieherische Lösungsansatz

Die konservativen Gerichte, z.B. das Kammergericht in Berlin übertragen bei zerstrittenen Eltern nach Einholung eines psychologischen Gutachtens das Sorgerecht dem Elternteil, bei dem das Kind laut Gutachter besser aufgehoben ist.

Diese Praxis befindet sich im Einklang mit dem Bundesgerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht, die im Streitfall einem Elternteil, und zwar meistens der Mutter die elterliche Sorge übertragen.

Voraussetzung ist, dass die Eltern überhaupt nicht mehr miteinander reden können und wollen, so dass sie nicht einmal die einfachsten Dinge bzgl. der Kinder abstimmen können. Dabei kommt es überhaupt nicht darauf an, welcher Elternteil diesen Zustand verursacht hat. Das kann den Eltern häufig nicht klargemacht werden. Dort herrscht der Irrglaube vor, sie bekämen die elterliche Sorge übertragen, wenn sie dem anderen ein Verschulden nachweisen. Sehr häufig bekommt am Ende der unkooperativere Elternteil die Sorge übertragen, der den ganzen Streit vom Zaume brach, wenn Gericht und Gutachter meinen, die Kinder seien trotz allem bei ihm besser aufgehoben.

Einen anderen Weg beschreiten solche Gerichte, die beide Elternteile in die Pflicht nehmen wollen, auch nach der Trennung zum Wohle des Kindes zusammen zuwirken, zum Beispiel das Brandenburgische Oberlandesgericht:

Hier wird versucht, die Eltern zum gemeinsamen, verantwortungsvollen Umgang mit dem Kind zu erziehen. Entgegen den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesgerichtshofs wird nach Möglichkeit selbst dann, die gemeinsame elterliche Sorge beibehalten, wenn sich die Eltern noch so heftig streiten.

Sorgrechtsverfahren

In laufenden Sorgerechtsverfahren, die regelmäßig von Verfahren zur Regelung des Umgangs begleitet sind, werden die Eltern genau beobachtet, wie sie den Kindesumgang praktizieren. Vereitelt beispielsweise derjenige, bei dem das Kind wohnt, den regelmäßigen Umgang des Kindes mit dem anderen, riskiert er, dass der andere das Sorgerecht bekommt. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass etwa Regelungen zum Kindesumgang getroffen werden, die für beide Elternteile eine Zumutung sind.

Die Eltern bleiben während des gesamten Verfahrens durch zwei Instanzen, das leicht zwei Jahre und länger dauern kann, im Unklaren darüber, ob einer von ihnen am Ende die Alleinsorge zugesprochen bekommt oder ob die Sorgerechtsanträge beider Eltern zurückgewiesen werden. Zuweilen wird das Sorgerechtsverfahren einfach ausgesetzt, etwa um den Eltern Gelegenheit zur Mediation oder therapeutischen Paarberatung zu geben.

Die jahrelange Unsicherheit zermürbt die Eltern mit dem Ziel, sie in der mündlichen Verhandlung zur Beibehaltung des gemeinsamen Sorgerechts zu bewegen. Lässt sich das nicht erreichen wird die Übertragung der Sorge auf einen Elternteil mit einer großzügigen Umgangsregelung zugunsten des anderen verbunden.

Hintergrund dieses Ansatzes ist es, die Eltern dazu zu zwingen, ihren Elternkonflikt noch im Verfahren beizulegen, um sie wieder erziehungskompetent zu machen und ihnen die Augen zu öffnen, dass sie selbst es sind, die das Wohl und Wehe ihrer Kinder in den Händen haben.
Der konservative und der erzieherische Ansatz haben ihre Vor- und Nachteile:

Das sich ewig hinziehende Verfahren des erzieherischen Ansatzes führt zu einer großen Unsicherheit für Eltern und Kinder. Es kann keine Ruhe in die Familien einkehren und sei es auch nur die Ruhe in der Halbfamilie, die etwa das Kammergericht schafft. Die Eltern werden zu Schülern der Gerichte, gleichzeitig zu Taktikern und Strategen, die versuchen, den anderen durch Einflussnahme auf die Kinder auszustechen.

Der konservative Ansatz schafft zwar Ruhe, allerdings um den Preis, dass der umgangsberechtigte Elternteil häufig gar keinen Kontakt mehr zu den Kindern hat, weil der sorgberechtigte Elternteil den Umgang nach allen Regeln der Kunst unterbindet und bisweilen die Kinder derart unter Druck setzt, dass sie schon um des eigenen Überlebens willen von sich aus den Kontakt zum anderen Elternteil abbrechen, auch wenn sie ihn noch so sehr lieben.

Vor diesem Hintergrund kann den betroffenen Eltern nur empfohlen werden, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, sei es durch Mentaltrainer, Mediatoren, Familienberater, Psychologen oder kompetente Familienrechtsanwälte, die sich in der Lage sehen, eine außergerichtliche Lösung zum Wohle der gesamten Trennungsfamilie mit den betroffenen Eltern abzustimmen und umzusetzen.

Quelle: Beraternetzwerk scheidung-clevergestalten.de
Autor: Rechtsanwalt Norbert Maes – Fachanwalt für Familienrecht

3 Kommentare zu „Gerichtsverfahren um das Sorgerecht“

  • Sehr geehrter Herr Hornberger
    Nochmals vielen Dank für Ihren Beitrag auf Wochenendvati.de.
    Mittlerweile haben wir Ihren Blog lesen können und sind natürlich
    über den von Ihnen geschilderten Sorgerechtsstreit berührt und bestürzt.
    Besonders bestürzt sind wir allerdings auch über die sehr feindlichen und
    schädigenden Anfeindungen gegenüber dem Kindesvater.
    Bei einem grausamen Umgangsstreit kommt es sehr Häufig vor, das auch schmuzige Wäsche gewaschen wird. Wichtig ist hierbei die Fronten nicht auch noch zu verhärten. Moderation zu mehr Kommunikation im Sinne des Kindeswohls wäre hier der richtige Weg. Leider können wir uns aus diesem Grunde in keinster Weise mit Ihnen Solidarisieren.

  • Hallo Herr Hornberger !
    Vielen Dank für Ihren Beitrag in unserem Blog Wochenendvati.de.
    Zu Ihrer Information möchte ich Ihnen mitteilen, das Ihre private HP
    zur Zeit leider nicht erreichbar ist. (Internal Server Error 500)
    Mit freundlichen Grüßen aus Flensburg,
    Andreas Preuß

  • Eine unerhörte und skandalöse Geschichte zum Thema “Sorgerecht” können Sie ab sofort ungeschminkt auf meiner privaten Webseite lesen:

    http://www.rainer-hornberger.de/category/sorgerecht

    Oder wählen Sie dort einfach die Kategorie “Sorgerecht”.

    Rainer Hornberger

Nachrichtenarchiv
Networked Blogs

Thumbnail Screenshots by Thumbshots