Väter kämpfen um ihre Kinder

„Ich habe einen 13 Monate alten Sohn und kämpfe gerade um das Umgangsrecht“, erzählt Andreas Zimmermann. Der 37-jährige Elektrotechnikermeister aus Horrem ist nach einer langen Beziehung mit seiner Freundin Vater geworden, dann trennte sich das Paar.

Rhein-Erft – „Das Verhältnis zur Mutter ist so schwierig geworden, dass wir überhaupt nicht mehr miteinander reden“, sagt Zimmermann mit einem Anflug von Bedauern. Seinen Sohn dürfe er zur Zeit nur 45 Minuten im Monat sehen – in Begleitung einer Sozialarbeiterin.. „Ich verarbeite diese schwierige Situation, indem ich mich in die Arbeit des Vereins »Väteraufbruch für Kinder« stürze.“

Im Frühjahr hat Zimmermann die Kreisgruppe Rhein-Erft des bundesweit für die Rechte von Vätern und für eine gleichberechtigte Elternschaft kämpfenden Vereins gegründet. Eine Selbsthilfegruppe trifft sich meistens am letzten Donnerstag des Monats im Horremer Pfarrheim. Die genauen Termine werden im Internet bekannt gegeben.

Bis zu zehn Väter kommen dann und berichten über ihre jeweilige Situation. Zudem vermittelt der Verein Beratungsgespräche, hilft beim Umgang mit Jugendämtern und Gerichten und führt auch gemeinsame Aktionen von Vätern mit ihren Kinder durch. „So sind wir schon einmal gemeinsam in das Maislabyrinth nach Bubenheim gefahren.“ Auch Olaf Müller und Jens Möller zählen zu den Vereinsgründern: Müller betont, eigentlich nicht betroffen zu sein: „Ich bin verheiratet, habe drei Kinder und ein intaktes Familienleben“, erzählt der Sozialpädagoge. Er mache im Verein mit, um „anderen Vätern und ihren Kinder zu ihren Rechten zu verhelfen“. Leider sei es so, dass nach vielen Trennungen Kinder ohne ihre Väter aufwachsen würden, was für alle Seiten – für Kinder, Mütter und Väter – in der Regel nicht gut sei. Er stellt dabei klar: „Wir wollen keinen Krieg gegen die Mütter führen, sondern auch deren Interessen und Vorstellungen berücksichtigen.“ Das sei in der Praxis natürlich schwierig. „Jeder will natürlich das Kindeswohl, hat aber eine eigene Interpretation davon.“ Hochgekochte Emotionen und gegenseitige Verletzungen würden oft auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.

Leider sei es bislang so gewesen, dass im Trennungsfall die Beratungsangebote meist auf Frauen ausgerichtet seien. „Die erfahren mehr Hilfe, Väter dagegen fressen ihren Frust mehr in sich rein.“ Erst in den vergangenen Jahren hätten Diskussionen und Stichwörter wie „vaterlose Gesellschaft“ hier ein Umdenken eingeleitet. Dabei sei natürlich auch klar, dass nicht alle Väter „per se gut“ seien. Viele würden sich nach der Geburt eines Kindes einfach aus dem Staub machen. Es gebe aber auch diejenigen, die sich trotz einer Trennung um ihr Kind kümmern wollten. Auch sei man im Verein nicht blauäugig, wenn es beispielsweise Gewaltvorwürfe gegen Väter gebe. Da prüfe man ganz genau, bevor man sich für ein Umgangsrecht einsetze. Manche Väter seien schon zu einem Gewaltpräventionsseminar geschickt worden.

Dass die „Väterarbeit“ gefragt ist, hat der Verein erst kürzlich nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Gleichstellung von ehelichen und nichtehelichen Kindern erfahren, Zimmermann: „Wir bekamen viele Anrufe und Mails von betroffenen Vätern.“ Für die Zukunft ist unter dem Motto „Betten für Väter“ eine Art Wohnungsbörse für Väter geplant, die weitab von ihren Kindern leben und für ihre Besuche hierzulande eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit brauchen.

Zudem soll eine Vater-Kind-Bastelgruppe initiiert werden. Auch wird es eine Art „Väter-Coaching“ geben. In einem Seminar würden Väter dabei lernen, wie sie beispielsweise bei Terminen im Jugendamt auftreten sollen. „Väter geben dabei oft ein falsches Bild ab“, erläutert Möller.


Schon seien auch die ersten internationalen Erfolge zu verbuchen. So habe man über die Zusammenarbeit mit einer Väterorganisation in Österreich einem Mann aus dem Kreis ein Besuchsrecht für sein Kind in Salzburg verschaffen können. Zimmermann: „So etwas lässt sich am besten über den Verein erreichen. Wir kennen die richtigen Ansprechpartner.“

Der Verein „Väteraufbruch für Kinder“, Kreisgruppe Rhein-Erft, ist über den Sprecher Andreas Zimmermann, Mittelstraße 4, 50169 Kerpen, 02273 / 5928263, erreichbar. Die Kreisgruppe trifft sich meist am letzten Donnerstag im Monat um 19 Uhr im Pfarrheim Kerpen-Horrem, Hauptstraße 215. Das nächste Treffen ist am Donnerstag, 28. Oktober. Bundesweit ist der Verein unter 0700-82837783 erreichbar.

www.Erftkreis.Vaeteraufbruch.de

www.vaeteraufbruch.de

bundesgeschaeftsstelle@vafk.de

Quelle: Kölner Stadtanzeiger

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