Wenn ein Elternteil nur zu Besuch ist

Vati FussgängerzoneAls getrennt erziehender Elternteil – egal ob Mutter oder Vater – ist man immer auf Unterstützung angewiesen, wenn man dazu gezwungen ist, den Lebensunterhalt für sich und das Kind selbst zu verdienen.

Diese Erfahrung musste auch Markus Kreuzer machen, als er und seine Lebensgefährtin sich vor drei Jahren trennten. Relativ schnell entschieden er, seine damalige Partnerin und seine Eltern zusammen, dass der damals vierjährige Etienne bei seinem Vater bleiben sollte. Da der Opa sich bereit erklärte, bei seinem Enkel zu Hause zu bleiben, als “Tagesopa”, wie dieser sich schmunzelnd selbst bezeichnet, war der selbstständige Vater in der Lage, seinem Kind einen geregelten Alltag und ein stabiles Zuhause zu bieten. Und das abseits von Ganztagesbetreuung und Tagesmutter. —

Glücklicherweise teilten sich die jungen Eltern von Geburt an das Sorgerecht um ihren Sohn und jedweder Streit darüber konnte vermieden werden. Im Gegenteil. Einvernehmlich entschieden die Eltern, dass Etienne zwar beim Vater aufwächst, die Mutter aber jederzeit das Recht und auch die Möglichkeit hat, ihren Sohn zu sehen, ihn abzuholen oder mit ihm Zeit zu verbringen.

Dass die Erziehung seines Sohnes im Alltag in der Hand des Opas liegt, darüber ist sich der junge Vater im Klaren. Er erklärt aber: “Ich vertraue meinen Eltern in dieser Beziehung. Sie haben schließlich auch mich und meinen Bruder großgezogen. Wir wollen die gleichen Grundwerte vermitteln.” Wichtig ist ihm hierbei nur, dass die Rollen, wenn er zu Hause ist, klar verteilt sind. Dann dürfen seine Eltern wieder Großeltern sein, was vor allem seine Mutter Irene manchmal vermisst.
Am Wochenende, wenn der Vater nicht arbeiten muss, ist er für Etienne da und organisiert seine Freizeit mit seinem Sohn so, dass auch die Eltern ihre sozialen Kontakte pflegen können und Zeit für sich haben. Dabei genießt er die Zeit mit Etienne und versucht intensiv nachzuholen, was unter der Woche oft auf der Strecke bleibt.

Lediglich, dass Etienne das spürbare Bedürfnis nach einer weiblichen Bezugsperson hat, macht dem jungen Papa manchmal Kummer. Auch, dass es immer schwerer wird, dem Kind auf seine Fragen befriedigende Argumente zu liefern, warum die Mutter nicht da ist oder nicht kommt, kosten Kraft.
Zumal Etienne älter wird und immer mehr beginnt, die eigene Familiensituation zu hinterfragen.

Dazu kommt das oft unverblümte Unverständnis im Umfeld, dem sich der junge Papa und auch seine Eltern oft ausgesetzt sehen. Das Klischee, dass Kinder zur Mutter gehören, egal welches Leben sie ihnen bieten kann, scheint doch noch weit verbreitet, und so ist der 38-Jährige, wie auch seine Eltern, oft in der Rechtfertigungspflicht, warum dies bei ihnen anders geregelt ist.

Hier haben es sich Markus Kreuzer und seine Eltern zur Aufgabe gemacht, immer bei der Wahrheit zu bleiben. Sie sind sich einig, dass es für den siebenjährigen Etienne keinen Sinn macht, irgendetwas zu beschönigen oder zu verschweigen.

Vereinfacht wird dies dadurch, dass es keinen Streit gibt und sich die Mutter fast gänzlich aus Alltag und Erziehung heraushält. So können die Kreuzers dem Kind ein stetes Alltagsleben bieten.

Markus Kreuzer betont auch, dass die Gesprächsbasis mit seinen Eltern und seiner Expartnerin immer da war und immer noch ist, und dass dies die Grundlage dessen ist, was sie gemeinsam Etienne zu vermitteln versuchen: Auch wenn die Eltern getrennt sind, gibt es doch eine Familie, in der man sich umeinander kümmert.

Und dass die Situation auch eine Bereicherung für alle ist, betont Opa Walter ausdrücklich, als er sagt: “Ich hab die Entscheidung, Etienne zu betreuen, nie bereut und es macht mir großen Spaß!”

Quelle: Südwest-Presse

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