Mutter machte Tochter immer wieder mit Abführmitteln krank

Friedberg/Gießen. Im Leben der 39-Jährigen schien sich viel um Essen zu drehen. Weil sie laut Anklage auch die Ernährung ihrer kleinen Tochter manipulierte und sie damit beinahe ums Leben brachte, muss sich die Frau aus Bruchenbrücken seit Anfang Oktober vor dem Gießener Landgericht verantworten.

Am Mittwoch nahm sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu den Vorwürfen Stellung. Anschließend wurden zwei Kriminalbeamte und der inzwischen getrennt lebende Mann der Angeklagten gehört. —
Schon seit er sie kenne, habe die 39-Jährige ein »schräges« Essverhalten, erzählte der Vater des Mädchens. »Aber dass sie die Kinder nicht vernünftig ernährt, war für mich nicht sichtbar.« Ohne Wissen des Vaters hatte die 39-Jährige der Anklage zufolge ihrer 2006 geborenen Tochter ab Mai 2008 regelmäßig Abführmittel verabreicht. Erst viele Klinikaufenthalte des Kindes und ein knappes Jahr später wurde die Frau festgenommen. Das Kind befand sich zu dieser Zeit in akuter Lebensgefahr.

Er habe viel gearbeitet, berichtete der Ehemann. Während der Woche habe er seine drei Kinder kaum gesehen, aber »immer wenn ich zu Hause war, haben die Kinder normal zu essen bekommen«. Seine Frau sei immer schlank gewesen, habe sich selbst aber als zu dick gefunden. Dass er sie trotzdem aufzog, wenn die Hose zu eng war, gab er zu. Aber: »Es muss ihr eigentlich klar gewesen sein, dass es Spaß war, bei ihrem Gewicht.« Geäußert zu haben, seine jüngste Tochter solle nicht so dick werden wie seine Frau, stritt er aber ab. Im Herbst 2008 sei die 39-Jährige immer dünner geworden. Offenbar nahm sie auch selbst von den Abführmitteln, die sie dem Mädchen noch über die Magensonde gab.

»An sie gefühlsmäßig heranzukommen, war sehr schwer«, sagte ihr Ehemann über die Angeklagte. Nach einem Überfall am Arbeitsplatz und dem Tod ihrer Mutter sei es ihr sehr schlecht gegangen. Das könne auch der Auslöser für die Tat gewesen sein.

Heute sieht er die chronische Krankheit seiner älteren Tochter ebenfalls in einem anderen Licht. Auch sie hat mehrere Klinikaufenthalte und die Ernährung über eine Magensonde hinter sich. »Für mich ist sicher, dass die Ursache ihres kaputten Darms dieselbe ist wie für die Krankheit meiner jüngsten Tochter.« Für diese hat er inzwischen das alleinige Sorgerecht, versorgt seine Kinder und kümmert sich um den Haushalt. In den ersten Wochen nach der Festnahme ihrer Mutter habe sich das Gewicht der Kleinen verdoppelt, sie ernähre sich inzwischen altersgemäß. Nach ihrer Mutter frage sie kaum. In ihrer Vernehmung habe die 39-Jährige einen Grund für ihr Handeln angeben, berichtete ein Kriminalbeamter aus Friedberg der Kammer.

Sie habe die Krankheit ihrer Tochter besser herausstellen wollen, damit die Ärzte sich mehr um das Mädchen kümmern. Die Mediziner hätten sich nämlich auch nicht ausreichend um ihre kurz zuvor verstorbene Mutter bemüht. Welche Mengen Abführmittel die Kleine bekam, entschied die 39-Jährige wohl aus dem Bauch heraus. Sie habe einen »Cocktail« aus Abführmittel und Glaubersalz gemischt und zuerst an sich selbst getestet, sagte die Angeklagte den Ermittlern. Auch er habe bemerkt, dass es erstaunliche Parallelen zur Krankheitsgeschichte der älteren Tochter gibt, sagte der Polizist. Nachweise dafür fehlen aber.

Quelle: Wetterauer-Zeitung

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