Vater darf jetzt mit erziehen

Michael S. darf nach einer Entscheidung des Kölner Familiengerichts in Zukunft bei der Erziehung seiner unehelichen Tochter gleichberechtigt mitentscheiden. Ein solches Urteil wäre noch vor einigen Monaten undenkbar gewesen.

Köln – Als Michael S. nach einer Woche Warten das Urteil des Familiengerichts in den Händen hielt, konnte er kaum glauben, was da geschrieben stand: Er darf in Zukunft bei der Erziehung seiner Tochter gleichberechtigt mitentscheiden. Das Kölner Gericht hat entschieden, dass die Eltern das Sorgerecht gemeinsam ausüben müssen. „Ich hatte nicht geglaubt, dass das möglich wird“, sagt der 43-Jährige nach neun Jahren Streit mit der Mutter seiner Tochter.

Vor einigen Monaten wäre ein solches Urteil noch undenkbar gewesen. Väter von Kinder aus nicht-ehelichen Beziehungen hatten keine Chance, wenn die Mutter nicht zustimmte. Anträge auf ein gemeinsames Sorgerecht wurden in aller Regel erst gar nicht verhandelt, sondern gleich abgelehnt. Das hatte den Kölner Musiker Horst Zaunegger dazu gebracht, durch alle Instanzen für sein Sorgerecht als unverheirateter Vater zu klagen – eine Initiative, die viel geändert hat, noch bevor der Bundestag neue Gesetze verabschiedet hat, die auf die Urteile des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts reagieren.

Marschrichtung vorgezeichnet

Kurz nachdem die Verfassungsrichter im Sommer entschieden hatten, sei auch das Kölner Amtsgericht mit Anträgen von Vätern „überhäuft“ worden, wie Richter und Gerichtssprecher Jörg Baack sagt. Drei bis fünf Anträge seien pro Tag eingegangen, mit denen sich dann die 26 Kölner Familienrichter befassen mussten. Eine einheitliche Linie bei der Entscheidungsfindung gebe es nicht, weil jeder Richter natürlich unabhängig sei. Die Vorgaben der europäischen und Karlsruher Richter hätten aber eine „Marschrichtung“ vorgezeichnet, so Baack. In mündlichen Verhandlungen müsse nun geklärt werden, was dem Kindeswohl nützt und was nicht. Wenn es dem Kinde nicht schade, sei der Vater am Sorgerecht zu beteiligen, interpretiert der Gerichtssprecher Baack das höchstrichterliche Urteil für die Rechtsprechung im konkreten Einzelfall.

Im Falle von Michael S. waren offensichtlich alle Voraussetzungen gegeben: Der Vater hat sich immer um seine Tochter gekümmert und regelmäßig Kontakt gehabt. Die Richterin konnte sich in einem Gespräch mit dem Kind davon überzeugen, dass es ein gutes Verhältnis zum Vater hat. Außerdem gab es ein klares Votum des Jugendamtes zugunsten eines gemeinsamen Sorgerechts. „Das Urteil ist ein gutes Zeichen für Männer in ähnlichen Situationen“, sagt Michael S. „Nun können Väter endlich Elternpflichten und Elternrechte wahrnehmen.“

Was das Recht in der alltäglichen Erziehungspraxis bedeutet, ist längst nicht sicher. Als Reaktion auf das Gerichtsurteil habe die Mutter den nächsten Umgangstermin des Vaters mit der Tochter abgesagt und „die ein oder andere Drohung durchs Telefon gejagt“, sagt Michael S. Was in den letzten Jahren keiner Familienberatungsstelle gelang, die die Eltern aufgesucht haben, wird auch ein Gerichtsurteil auf die Schnelle nicht schaffen.

Die nächste Zeit werde schwer, hat auch die Richterin ins Urteil geschrieben. Aber auf Dauer werde sich die Lage für das Kind verbessern. Und darum gehe es schließlich, so Michael S. „Jetzt sollten die verletzten Gefühle nach der Trennung endlich in den Hintergrund treten und nur noch das Wohl des Mädchens im Mittelpunkt stehen.“ Indirekt hatte das auch die Neunjährige vor Gericht gesagt: „Ich möchte, dass sich Mama und Papa nicht mehr so oft streiten.“

Kein Streit vor dem Kind

Für Michael S. bedeutet das „gemeinsame Sorgerecht“ nun, dass er mitentscheiden kann und muss, wenn es um Fragen wie die Schulwahl oder den Umgang mit gesundheitlichen Problemen geht. „Vorher hätte ich im Krankenhaus nicht einmal eine Auskunft über den Gesundheitszustand bekommen, wenn meine Tochter da gelegen hätte.“

Wie oft er in Zukunft mit seiner Tochter zusammen sein kann, hat mit dem Sorgerecht jedoch nichts zu tun. Das Umgangsrecht hat er bereits vor einiger Zeit vor dem Familiengericht erstritten und drei von acht Wochenendtagen, einen Nachmittag in der Woche und die Hälfte der Ferien zugesprochen bekommen. Richtig geklappt habe das in der Praxis bislang noch nicht, berichtet er, weil immer wieder – so wie jetzt – Termine von der Mutter abgesagt wurden.

Er müsste sich eine einstweilige Verfügung erstreiten, um das zu ändern, doch ein solcher Streit könnte wieder das Kind belasten. „Am besten ist, wenn sie von all diesen Streitigkeiten möglichst nichts mitbekommt.“ Deshalb werde er auch die Gerichtsentscheidung zum Sorgerecht nicht im Beisein der Tochter ansprechen oder gar feiern. „Das einzige, was sie spüren soll, ist: Da sind nun zwei Leute, auf die sie in ihrem Leben bauen kann.“

Quelle: Kölner – Stadtanzeiger

1 Kommentar zu „Vater darf jetzt mit erziehen“

  • Werter Kollege Bohnet,Salomons Schwert bedeutet nicht das Schwert aus dem Waffenladen sordenn das Schwert des Geistes, mit dem komplizierte Zusammenhe4nge gekle4rt werden kf6nnen. Im in 1. Kf6nige 3, 16-28 geschilderten Fall kann man nur sagen:Nachgedacht, gehandelt, Ziel erreicht. Wenn wir Ziele nicht erreichen, haben wir womf6glich verse4umt nachzudenken. Salomons Liebe zur Wahrheit hat ihn dazu gebracht nachzudenken. Und, er hat sich sogar bei Huren die Mfche gemacht. Was lernen wir daraus?Schf6ne Grfcdfe aus dem Schwarzwald

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