Wenn die Vaterliebe verboten wird

Wenn es nach einer Scheidung oder Trennung um das Sorgerecht für die minderjährigen Kinder geht, haben Väter oft das Nachsehen. Nicht nur das Sorgerecht bekommen sie selten. Sogar der Umgang mit den Kindern wird ihnen oft verwehrt – vor allem dann, wenn es die Mütter so wollen.

Aktuell sind in Deutschland jedes Jahr etwa 145.000 minderjährige Kinder von einer Ehescheidung betroffen. Das Scheidungs- und Trennungskind als Massenphänomen ist dabei relativ neu – es betrifft die heute 40- bis 45-Jährigen. —

Laut Statistischem Bundesamt erhalten Mütter bei Scheidungen 11 mal häufiger das alleinige Sorgerecht als Väter. Ähnliche Zahlen hat auch der “Bundesverband Alleinerziehender Mütter und Väter”: Danach wuchsen im Jahr 2007 insgesamt 2,18 Millionen Kinder unter 18 Jahren bei insgesamt 1,57 Millionen allein erziehenden Elternteilen auf. Nur 10 Prozent der Alleinerziehenden waren Männer, und rund 90 Prozent waren Frauen.

Die Geburtenrate von nicht-ehelichen Kindern liegt in Deutschland pro Jahr bei anähernd 220000.

Es gibt viele Alleinerziehende, die den gesetzlich vorgeschriebenen Umgang zwischen dem anderen Elternteil und dem Kind bewusst erschweren oder komplett unterbinden. Es kommt auch vor, dass sie den anderen schlecht machen und das Kind unbeabsichtigt oder auch gezielt gegen den nicht betreuenden Elternteil aufbringen. Bei einer solchen Form von Manipulation und Instrumentalisierung des Kindes durch den betreuenden Elternteil spricht man von “Eltern-Entfremdung”. Im Prinzip können sowohl Väter als auch Mütter die Leidtragenden sein. Da aber rein quantitativ die weit größere Zahl der Alleinerziehenden Mütter sind, betrifft die “Entfremdung” in der Praxis vor allem Väter.

Die psychischen Folgen für die Ausgegrenzten sind gravierend: Depressionen, Ohnmachtsgefühle, Leistungsabfall im Job bis hin zum Arbeitsverlust und Suizidgedanken kommen vor. Sie werden bestimmt von dem Gefühl, massives Unrecht erlitten zu haben und fühlen sich als Opfer.

Für die Kinder können die psychischen Folgen solcher Vereinnahmung und der Verlust des anderen Elterteils lebenslang belastend bleiben. Mögliche Spätschäden sind: Identitätsprobleme, gestörte Realitätswahrnehmung, Bindungsängste und massive Beziehungsschwierigkeiten. Auch eine Neigung zu sozialer Entgleisung, Drogensucht und Gewalt ist möglich.

Da das Scheidungs- und Trennungskind als Massenphänomen aber relativ neu ist, gibt es erst jetzt erste aussagekräftige Studien, so etwa die deutsche Langzeitstudie von der Familien- und Jugendsoziologin Anneke Napp-Peters. Sie zeigt:

20 Prozent der Kinder reagierten unmittelbar nach dem Auseinandergehen der Eltern mit Sprachstörungen, Magen-Darm und Hautproblemen.

25 Prozent zeigten anhaltende Verhaltensstörungen: Dabei reagierten Jungen unmittelbar aggressiv, sie ließen in der Schule nach, waren hyperaktiv und litten unter Konzentrationsstörungen. Mädchen waren zunächst eher überangepasst und hatten erst später im Leben mit Identitäts- und Beziehungsschwierigkeiten zu kämpfen.

80 Prozent der Kinder hatten nach 12 Jahren keinen Kontakt mehr zum außerhalb lebenden Elternteil.

Weitere Spätfolgen nach 12 Jahren: Nur 25 Prozent der Kinder war es gelungen, die trennungsbedingten Schwierigkeiten zu überwinden, 75 Prozent hatten anhaltende psychische Probleme, die Hälfte von ihnen Suchtprobleme (Alkohol, Drogen).

Vor allem enttäuschte, von ihren Kindern entfremdete Väter organisieren sich in verschiedenen Foren und Vereinen, darunter: “Väteraufbruch für Kinder e.V.” mit bundesweit etwa 2000 Mitgliedern. Dort sind auch betroffene Mütter willkommen und werden unterstützt.

Quelle: Stern

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