Besuchswochenende – Ja oder Nein ?

Für eine optimale kindliche Persönlichkeitsentwicklung bedarf es der emotionalen Zuwendung, Fürsorge und Förderung durch beide Elternteile, insbesondere auch nach der Trennung der Eltern. Jugendhilfe und Familiengerichte haben die vorrangige Aufgabe, mit ihren Mitteln die Erhaltung oder Wiederherstellung an gelebter Beziehung von Kindern zu beiden Elternteilen zu sichern.
Der Wochenendeinkauf ist erledigt die Wohnung noch einmal durchgesaugt und Papa überlegt, was man an diesem Besuchswochenende schönes mit seinem Kind unternehmen könnte. Ein Ausflug wäre toll, aber wohin? Das Wetter sieht mal wieder nicht so gut fürs Wochenende aus. Wie wird die Übergabe wieder verlaufen vor der Tür der Mutter? Wird sie wieder wie schon so oft Probleme machen? Darf Papa sein Kind diesmal wieder nicht mitnehmen? Schnell noch ein Kaugummi und ein kleines Kinderbuch auf das Kopfkissen des Kinderbettes gelegt… Dann geht es, wie alle vierzehn Tage wieder los. – Pappa macht sich auf den Weg sein Kind zum Umgangswochenende abzuholen. – Am schlimmsten ist die Ungewissheit. Viele Väter kennen dies, wenn die Mutter immer wieder versucht das Kind zu entfremden. Immer wieder war Pappa gezwungen das Besuchsrecht für das gemeinsame Kind in den letzten Jahren einzuklagen. Dies passiert leider immer häufiger wenn die Mutter nicht die Elternebene von der Paarebene differenzieren kann. Trennung stellt eine Lebenskrise dar. Trennung und Scheidung bedeuten für jeden beteiligten Menschen zunächst eine schmerzliche Erfahrung, die mit Trauer, Schuldgefühlen, Verlustängsten etc. einhergeht.
Bezüglich der Psychodynamik der Mütter wird in zwei Gruppen unterteilt:

- Mütter, die aus Angst handeln.
Sie erleben die Trennung als existenzielle(n) Zurückweisung und Verlust. Zur Kompensation ihrer eigenen Ängste binden sie die Kinder an sich und versuchen, deren eigenständige Beziehung meist zum Vater zu zerstören.

- Mütter, die nicht zur Eigenreflexion fähig sind.
Hierbei handelt es sich um Mütter, die in der Trennungsbewältigung nicht über das Stadium der Wut heraus kommen. Das Scheitern der Beziehung wird vollkommen dem anderen Elternteil angelastet. Sie sind nicht in der Lage, ihren eigenen Anteil am Scheitern der Beziehung zu erkennen. Der andere Elternteil wird als Gesamtpersönlichkeit abgelehnt; er ist nicht nur der verantwortungslose Partner, sondern auch der verantwortungslose Elternteil (Vermischung der Paar- und Elternebene). Vor einem derart unfähigen Elternteil müssen die Kinder aus Sicht des programmierenden Elternteils beschützt werden.

Auswirkungen auf die Sichtweise der Kinder
Die Trennung der Eltern, verbunden mit der Erkenntnis für die Kinder, dass diese sich nicht mehr lieben, ruft in der Regel einen Loyalitätskonflikt bei den Kindern hervor. Dieser Konflikt kann nur mit aktiver Unterstützung beider Elternteile aufgehoben werden. Beide Elternteile müssen ihrem Kind ermöglichen, den anderen Elternteil weiter lieben zu dürfen. Voraussetzung hierfür wiederum ist, dass sie in der Lage sind, zwischen Paar- und Elternebene zu differenzieren. Sie müssen dem Kind deutlich vermitteln, dass positive Gefühle und die Liebe des Kindes gegenüber dem anderen Elternteil erlaubt sind, selbst bei eigenen negativen Gefühlen.

Gelingt ihnen diese Vermittlung nicht, wird das Kind den Loyalitätskonflikt bei entsprechender Beeinflussung dadurch lösen, dass es seine Eltern in einen guten und in einen schlechten Elternteil spaltet. Hierbei spielt ebenfalls Angst die zentrale Rolle; das Kind befürchtet, die Liebe des manipulierenden Elternteils, der in der Regel auch der Betreuende ist, zu verlieren, wenn es sich nicht vollkommen diesem zuwendet und dessen Bewertungen und Einschätzungen bezüglich des anderen Elternteils übernimmt.

Der Begriff “Parental Alienation Syndrome” wird dem Amerikaner Richard A. Gardner zugeschrieben (1992: “The Parental Alienation Syndrome, A Guide for Mental Health and Legal Professionals”). PAS lässt sich umschreiben als bewusste oder unbewusste Programmierung (Manipulation) von Kindern im Rahmen von Umgangs- und Sorgerechtskonflikten der Eltern durch einen Elternteil zum Nachteil des anderen Elternteils.

Aus Sicht der Kinder bedeutet dies die kompromisslose Zuwendung zu einem guten, geliebten Elternteil und die ebenso kompromisslose Abkehr vom anderen bösen, gehassten Elternteil. Das Kind spaltet seine Eltern in einen geliebten, guten und einen vorgeblich gehassten, bösen Elternteil.
In der Mehrzahl der Fälle sind die Mütter die Initiatorinnen der Programmierung und die Väter die Opfer, allein dadurch bedingt, dass die Mehrzahl der Trennungskinder bei ihren Müttern lebt. Der manipulierende Elternteil – in der Regel der Betreuende – beansprucht die Zuneigung des Kindes ausschließlich für sich selbst. Die Liebe des Kindes zum anderen Elternteil soll zerstört werden mit dem Ziel, ihn gänzlich aus ihrem Leben zu eliminieren.

Quelle: Kodjoe, Ursula/Koeppel, Peter: Früherkennung von PAS – Möglichkeiten psychologischer und rechtlicher Interventionen; Kind-Prax 5/98, S. 138 – 144

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