Vom Schicksal, ein Scheidungskind zu sein

ElternstreitWarum tragen geschiedene Eltern ihren »Rosenkrieg« nur so oft auf dem Rücken des gemeinsamen Kindes aus? Das Schlimmste an einer Trennung ist die Zeit danach. Dann fängt man nämlich an, sich wirklich zu trennen.
Zu dieser Erkenntnis kam kürzlich ein guter Freund, der auch vier Jahre nach der Scheidung von der Mutter seiner elfjährigen Tochter immer noch mittendrin ist im Trennungsprozess. Und eigentlich will er sich gar nicht trennen, jedenfalls nicht als Vater. Aber die Mutter scheint das ganz anders zu sehen. –

Verständlicherweise ist die »Wir versuchen trotz unserer Trennung als Mann und Frau gute Eltern für die gemeinsamen Kinder zu sein«-Hürde, die am schwersten zu überwindende im Hindernis-Parcours menschlicher Verhaltensweisen.
Für ähnlich beschwerlich halte ich nur noch das Überspringen der »Einer von uns ist fremdgegangen, aber wir haben uns verziehen und vertrauen uns wieder«-Latte. Beides ist jedenfalls so kompliziert, dass man sich jeden Tag, jede Stunde, jede Minute seines restlichen Lebens anstrengen muss, dieser Herausforderung gerecht zu werden.

Der gute Freund versucht von Herzen, ein guter Vater zu sein. Er hat, um dem Kind das Pendeln zu erleichtern, eine kleine Wohnung in der Nähe der Ex-Frau gemietet, obwohl sein eigentlicher Lebensmittelpunkt fast 400 Kilometer entfernt ist. Es gibt ein Kinderzimmer, regelmäßigen Kontakt zur Lehrerin und den Eltern der Schulfreunde. Der gute Freund hatte lange die Hoffnung, dass die Mutter des Kindes sich eines Tages zum Wohle des Kindes entspannen und froh darüber sein würde, dass, wenn ihr schon der Mann verloren ging, dem Kind wenigstens der Vater erhalten bleibt.
Aber, so der gute Freund zerknirscht, nichts mache die Ex rasender als die Vorstellung, dass der Mann, den sie am meisten verachtet, weil er sie wegen einer anderen Frau vor fünf (!) Jahren verließ, eine schöne Zeit mit dem gemeinsamen Kind verbringen könnte. „Auf ganz subtile Art vermittelt sie meiner Tochter, dass das neue Zuhause ausschließlich bei ihr sei, dass es ja den neuen Mann gäbe (vor zwei Jahren heiratete die Ex erneut) und meine Tochter mich doch eigentlich gar nicht brauchen würde.
Sie sagt das nicht direkt, aber es gibt viele kleine Bemerkungen, die meine Tochter aufsaugt. Und sie versteht genau, was ihre Mutter damit meint und hat somit immer, wenn sie bei mir ist, das Gefühl, ihre Mutter zu enttäuschen!“, erzählt mir der Vater des »verlorenen« Kindes traurig.
Liebe Leserinnen und Leser, ich stelle mir vor, wie unendlich zerrissen ich ein elfjähriges Kind fühlt, das sich tagtäglich neu entscheiden muss, wen es denn nun lieb haben darf: Mutter? Vater? Beide? Von »ehemaligen« Scheidungskindern weiß ich, dass sie eine Kindheit lang nie aufgehört haben, davon zu träumen, dass sich die Eltern wieder vertragen mögen. Und als sei das nicht schon schlimm genug, werden immer wieder auf dem Rücken von Kindern Kämpfe zwischen geschiedenen Eltern ausgetragen, die sich gegenseitig beweisen wollen, dass sie der bessere Elternteil sind.
Als ginge es darum, das gemeinsame Kind für sich »zu gewinnen«…
Ich bin diesbezüglich sowohl fachlich als auch menschlich völlig überfordert, habe aber sozusagen »laut« gedacht und dem wirklich guten Freund geraten, nicht auch noch an seinem Kind zu zerren. Links die klammernde Mutter, rechts der klammernde Vater – das hält kein Kind auf Dauer aus. Denn wie alle Kinder brauchen die getrennt lebenden Eltern vor allem eines: Liebe! Und zwar von Mama und Papa. Gleichermaßen!

Quelle: Superillu.de

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