Im Hintergrund geht es um das Sorgerecht

Eigentlich hat der Mann aus Schmitten das Sorgerecht für seinen dreijährigen Sohn. Doch er hat den Jungen seit fast neun Monaten nicht mehr gesehen. Seine Frau kam nach einem Urlaub mit dem Kleinen einfach nicht mehr nach Hause und lebt nun an einem unbekannten Ort in Polen.
Das Usinger Amtsgericht und ein Gericht in Polen haben unabhängig voneinander beschlossen, dass das Kind bei ihrem Noch-Ehemann in Schmitten leben soll. Doch die Frau ist mit ihrem Sohn untergetaucht und kommt natürlich auch nicht zu den Gerichtsverhandlungen. –

Das war diese Woche auch im Usinger Amtsgericht nicht anders. Dort war ihr Noch-Ehemann wegen Computerbetrugs angeklagt – sie selbst hat ihn angezeigt und sollte als Zeugin aussagen. Bei der Anzeige hatte sie angegeben, dass ihr Mann sich von ihrem Konto ohne Berechtigung Geld auf sein eigenes Konto überwiesen habe. Die dazu nötigen Daten, wie etwa die TAN-Liste, habe er ihr abgenommen.

Tatsächlich hatte der Mann sich insgesamt 5500 Euro auf sein eigenes Konto überwiesen. 4500 Euro davon war allerdings Eltern- und Kindergeld, das vom Amt an die Frau überwiesen worden war. Da sie damals aber schon im Ausland wohnte, stand ihr das Geld gar nicht zu und sie hätte es zurückzahlen müssen. Das erledigte ihr Mann – von den überwiesenen 5500 Euro behielt er also nur 1000 Euro für sich.

„Das war mit meiner Frau so abgesprochen, dass ich das Restgeld behalte“, sagte er bei der Verhandlung im Usinger Amtsgericht. Er habe die 5500 Euro auf sein Konto überwiesen, weil seine Frau ihm die Bankkarte für dieses Konto gesperrt habe. Er habe sich Sorgen gemacht, dass er gar nicht mehr an das Geld komme und es daher vorsichtshalber überwiesen. „Wenn Ihre Frau Ihnen die Bankkarte sperrt, ist die Sache wohl eindeutig. Sie wollte nicht, dass Sie an ihr Geld kommen und Sie hätten deshalb das Geld nicht an sich selbst überweisen dürfen“, meinte die Staatsanwältin. Allerdings habe sich die Frau auch alles andere als korrekt verhalten, indem sie das Kinder- und Elterngeld einfach weiter bezogen und behalten habe.

Seine Frau habe wohl die Anzeige gegen ihn erstattet, damit er verurteilt werde und damit vorbestraft sei, mutmaßte der Angeklagte. Denn das würde ihre Chancen auf das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn erhöhen, mutmaßte er.

Der Richter stellte das Verfahren gegen ihn wegen Computerbetrugs schließlich vorläufig ein. Der Mann muss 900 Euro an die Kinderkrebshilfe zahlen. Wenn er dies erledigt hat, wird das Verfahren endgültig eingestellt – und der Mann ist dann auch nicht vorbestraft.

Quelle: Usinger Anzeiger

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