Vater kämpft um Umgangsrecht mit Tochter

Zwölfjahrige entwickelt unter den anhaltenden schweren elterlichen Konflikten eine Essstörung, Gewichtszunahme und aggressives Verhalten – Bei Heimunterbringung droht Kriminalisierung

Konstantin A. (Name geändert) fühlt sich als Vater unverstanden, von seiner Exfrau ausgetrickst und von den Behörden hingehalten. Dabei ist der Kampf des 38-jährigen gebürtigen Polen um das Umgangsrecht für seine zwölfjährige Tochter teils exemplarisch und teils speziell auf den Fall bezogen zu sehen. Nur zu gerne würde er gemeinsam mit dem Mädchen und ihrem ein Jahr ältern Bruder, der bei ihm lebt, ein paar Stunden Weihnachten feiern. –

Doch statt der Zusage bekam er vor wenigen Tagen einen kurz gehaltenen Brief der Tochter zugestellt. In den nächsten sechs Monaten wünsche sie kein Treffen mit ihm, beschied sie ihrem Vater. A. ist bedrückt. Er ist sich gewiss, dass hinter der schroffen Absage seine Exfrau steckt. Schon zu den Herbstferien habe er das Mädchen aus dem Heim, in dem sie derzeit untergebracht ist, abholen wollten. Er stand schon nahezu vor der Tür, da kam der Rückzieher. „Die Mama nimmt mich nicht mehr zurück“, soll die Tochter gesagt haben, nachdem sie sich zuvor wohl auf das Treffen gefreut habe.

Liest man im Hilfeplan, den das Jugendamt für die entzweite Familie ausgearbeitet hat, so geht eindeutig hervor, dass die Zwölfjahrige unter den anhaltenden schweren elterlichen Konflikten eine Essstörung, Gewichtszunahme und aggressives Verhalten entwickelt habe. Gespräche der Eltern mit Vertretern des Jugendamtes oder der Schulsozialarbeit endeten über Jahre weg stets im Streit. Zur psychischen Entlastung und Stärkung der Jugendlichen wurde von der Fachkraft eine Unterbringung in einem Internat vorgeschlagen.

Im Mai 2010 teilten die Eltern das Sorgerecht: die Mutter blieb alleinzuständig für das Mädchen, der Vater für den Jungen. Ein Riesenfehler, wie A. heute befindet. Nachdem die Tochter zwei Jahre beim Vater gelebt hatte, zog sie zur Mutter – und kam schnell ins Heim. In dritter Station landete das Mädchen in einem Heim im Hegau – nach Meinung des Vaters ein Haus für Schwererziehbare- und kollidierte dort wegen Ausreißens und Diebstahls mit den Regeln.

Machtlos sieht er seine Tochter in eine kriminelle Zukunft rutschen – zumal seitens der Mutter keine Hilfe zu erwarten scheint. Schon direkt nach dem Umzug mit der Tochter in eine 20 Kilometer entfernte Stadt sah sich die heute 36-Jährige laut Behördenprotokoll wegen eigener enormer psychischer Belastungen nicht mehr in der Lage, das Mädchen adäquat bis zum Schuljahrsende zu begleiten. Deshalb lebte das Mädchen seit Juli 2008 bei ihrem Vater: zwar mit wachsenden Reibereien mit dem Bruder (einer Art „Stellvertreterkrieg“ der Eltern), aber doch mit Zustimmung der Behörde. Laut A., der 2005 aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen musste, mache sich seine in Teilzeit als Verkäuferin arbeitende Exfrau mit ihrer Krankengeschichte zu leicht. „Für die Disco ist sie gesund“, entfährt es ihm verbittert. Eine Therapie, die er auch gemeinsam mit ihr angehen würde, verweigere sie – und kann auch nicht gezwungen werden.

Währenddessen beklagt er die Untätigkeit der Behörden: „Kann ich ein schlechter Vater sein? Der Junge lebt doch auch bei mir.“ Von Passagen des Hilfeplans fühlt er sich diffamiert. Von regelmäßigem Alkoholgenuss ist dort die Rede. Er ahnt die Quelle dieser Zeugenaussage. Er sieht sich in geregelten Familienverhältnissen, lebt seit 21 Jahren in Deutschland, hatte nach zwölf Jahren Arbeit bei einer Firma Pech und ist jetzt arbeitslos. Auch Außenstehende bestätigen den fürsorglichen Umgang des Vaters mit seinem Sohn. Er möchte um seine Tochter kämpfen. Auch wenn bei Hartz IV das Benzingeld für die Hol- und Bringfahrten eng wird.

Quelle: Südkurier

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