Stress bei Kindern – Krank durch Scheidung ?

Wenn sich Eltern scheiden lassen, ist das Stress pur für zarte Kinderseelen. Eine neue Studie hat herausgefunden, dass Scheidungskinder ein dreimal so hohes Risiko haben, an Neurodermitis zu erkranken.

Schon lange ist bekannt, dass Kinder, die schon an Neurodermitis erkrankt sind, durch belastende Umstände einen schweren Schub erleiden können. Die neue Studie zeigt nun, dass eine Scheidung eine Neurodermitis auch auslösen kann. —

Die Studie:
Für die Studie wurden 3.000 Neugeborene aus ganz Deutschland sechs Jahre lang begleitet. Sie wurden regelmäßig untersucht und Veränderungen in der Familie wurden festgehalten. Das Ergebnis: Das Risiko, an einer Neurodermitis zu erkranken, war bei Scheidungskindern dreimal so hoch.

Die Sprache des Körpers

Kinder merken, wenn etwas in der familiären Konstellation nicht stimme, meint Joachim Heinrich vom Helmholtz-Zentrum für Gesundheits- und Umweltforschung in München. Weil ihnen Worte und Begriffe fehlen, ihr Leid zu artikulieren, bleibe ihnen oft nichts anderes übrig, als die Sprache ihres Körpers zu nutzen, so der Erklärungsansatz des Umweltforschers zu den Ergebnissen der Studie.

Scheidung trifft hart

Viele Kinder leiden im Stillen. Ein weiterer interessanter Nebenaspekt der Studie: Arbeitslosigkeit erhöhte das Krankheitsrisiko bei den Kindern nicht. Dies kann allerdings durch die Wahl des Studienortes beeinflusst worden sein. Die Kinder, die für die Studie ausgewählt wurden, stammen aus dem Großraum Leipzig – dort ist fast jede zweite Familie zumindest von zeitweiliger Arbeitslosigkeit betroffen. Für die Kinder gehört dieses Thema damit zur alltäglichen Lebenserfahrung. Eine Scheidung dagegen ist für Kinder nur schwer zu verarbeiten. Nachweisen konnten Wissenschaftler dies auch an sogenannten Neuropeptiden: Das sind Stressmarker, die nach einer Trennungserfahrung in erhöhter Konzentration im Blut der Kinder auftraten.

Was tun mit den Ergebnissen?

Momentan seien diese Daten nur ein Hinweis, in welche Richtung die Forschung weitergehen müsse, so Heinrich. Eine Folgestudie ist schon in Planung. Fest steht jetzt schon, dass Kinderärzte bei der Behandlung von Allergien das familiäre Umfeld der Kinder stärker berücksichtigen sollten.

Quelle: Bayerischer-Rundfunk Online

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