Kinder: Vertrauen zählt mehr als Geld

Eine neue Studie zeigt: Freunde und Familie sind für drei Viertel der Sechs- bis 14-Jährigen in Deutschland “total wichtig”. Auch Werte wie Respekt, Vertrauen und Hilfsbereitschaft haben bei den Kindern an Bedeutung gewonnen. Mit der Berufstätigkeit der Eltern sind die Kinder einverstanden.

Für die Kinder in Deutschland zählen Respekt und Vertrauen deutlich mehr als Geld und Besitz. Das ist ein Ergebnis der Studie über die Werte von Kindern, die die Zeitschrift “Geolino” und das Kinderhilfswerk Unicef vorgelegt haben. —

Werte Hoch im Kurs stehen bei den Kindern Freundschaft und Familie. Mehr als 95 Prozent der Sechs- bis 14-Jährigen stufen beides als “total wichtig” oder als “wichtig” ein. In den vergangenen zwei Jahren haben auch Respekt, Vertrauen und Gerechtigkeit als Werte bei den Kindern an Bedeutung gewonnen. Der Glaube hat an Ansehen verloren. Ihn stuften weniger als die Hälfte als wichtig ein. Zum Vergleich: “Gute Manieren” halten 82 Prozent der Kinder für wichtig.

Gefühle Während es bei den Werten große Übereinstimmungen bei den Kindern gibt, sind die Ängste vielfältig. Am häufigsten nennen die Kinder existenzielle Sorgen wie Tod und Krankheit, aber auch der Zerfall der Familie durch Scheidung ist als Sorge sehr präsent. Während die älteren Kinder eher Existenzängste zeigen, geht es bei den Kleinen um Konkretes: Gewitter, Spinnen, große Tiere. Mit dem Stichwort Geborgenheit verbinden viele Kinder vor allem Sicherheit und Nähe zu den Eltern. Eine Zehnjährige sagte: “Geborgenheit heißt, dass ich ein schönes Zuhause habe und meine Eltern immer für mich da sind und sich nicht scheiden lassen.”

Hilfsbereitschaft Die Tugend der Hilfsbereitschaft steht bei den Kindern hoch im Kurs. 92 Prozent halten diese Eigenschaft für wichtig. Ebenso viele helfen gerne ihren Freunden. Die Bereitschaft, sich für andere oder für eine gute Sache einzusetzen, hat in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen. So sind 78 Prozent der Kinder bereit, Menschen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Für den Umweltschutz würden sich gerne 64 Prozent einsetzen.

Berufstätigkeit der Eltern Auf die Frage, was das Beste daran ist, dass Mutter oder Vater zur Arbeit gehen, ergibt sich bei den Kindern ein übereinstimmendes Bild bei den Antworten für beide Elternteile. Die Kinder sagen zu 80 Prozent bei ihren Müttern und zu 81 Prozent bei ihren Vätern, das Beste sei, dass die Familie mehr Geld habe und sich mehr leisten könne. Das Schlechteste sei, so meinen 36 Prozent der Kinder über ihre Mütter und 49 Prozent über ihre Väter, dass sie dadurch zu wenig Zeit hätten. Der Autor der Studie, der Familienforscher Hans Bertram, bezeichnete es als “überraschend”, dass die Kinder bei der Bewertung der Berufstätigkeit von Müttern und Vätern kaum Unterschiede machten. Insgesamt stellten die Kinder ihren berufstätigen Müttern ein gutes Zeugnis aus. Mehr als 80 Prozent meinen, ihre Mutter freue sich, wenn sie von der Arbeit komme und mit ihrem Kind Zeit verbringen könne.

Zeit für Kinder 80 Prozent der Kinder sind der Ansicht, dass ihre Mütter unter der Woche viel oder zumindest genügend Zeit für sie haben. Den Vätern bescheinigen dies nur 44 Prozent, was angesichts der vorherrschenden Rollenteilung, wonach die Mütter Teilzeit arbeiten oder nicht erwerbstätig sind, nicht überrascht. Doch auch am Wochenende engagieren sich die Mütter mehr für die Kinder. Für Samstag und Sonntag bestätigten 94 Prozent der Sechs- bis 14-Jährigen, dass ihre Mütter genug Zeit für sie hätten. Bei den Vätern trifft dies nur auf 84 Prozent zu.

Freizeit Die meisten Freizeitaktivitäten unternehmen die Kinder ohne Eltern. Dazu zählen Freunde treffen, musizieren, Sport treiben, im Internet surfen und Lesen. Bei Unternehmungen wie Museums-, Kino-, Theater- oder Austellungsbesuchen ist oft die ganze Familie unterwegs, häufig aber auch nur die Mütter mit ihren Kindern. Die Väter liegen bei ihrem Einsatz für die Kinder lediglich in der Kategorie Computerspiele beim Zeitaufwand vor den Müttern.

Großeltern Oma und Opa spielen als Vermittler von Werten eine große Rolle für ihre Enkel. Auf die Frage, was er unter Respekt verstehe, antwortete ein Achtjähriger: “Respekt habe ich vor meinem Opa, der hat schon so viel erlebt.” 40 Prozent der Großeltern stehen auch bereit, wenn die Kinder nicht zur Schule gehen können, aber betreut werden müssen.

Quelle: Rheinische Post Online

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