Kind hat Angstzustände: Wie verhalten sich Eltern?

Rund 2.100 Vor- und Grundschüler leiden unter therapiebedürftigen Trennungsängsten. Sie fürchten sich ohne Mutter oder Vater allein zu sein und weigern sich morgens in die Schule zu gehen. Weinen, Wutausbrüche und Anklammern sind typische Verhaltensweisen bei Trennungsangst. Viele Kinder klagen auch über Kopf-, Bauchschmerzen oder Übelkeit.

Auch die Angst der Eltern kann sich auf die Kinder übertragen. Meistens drückt sich diese in Form von bestimmten Erziehungs-mechanismen aus. Wenn beispielsweise Mutter oder Vater zu sehr klammern und ihre Kinder vor schlechten Erfahrungen schützen wollen, können Kinder Angst vor neuen Erfahrungen und vor Trennungssituationen entwickeln. Trennungsängste können aber auch entstehen, wenn Kinder wichtige Bezugspersonen verloren haben, wie beispiels-weise durch Scheidung oder Tod. Die vorschulischen Erfahrungen und Gefühle können dann in der Schule in Form von heftigen Ängsten wieder auftauchen. —

Wie machen sich Trennungsängste bemerkbar?

Trennungsängste verspüren Kinder bei Abwesenheit der Bezugsperson – das können Mutter, Vater oder auch ein Haustier sein. Diese Trennungsangst muss nicht unbedingt in der Schule auftreten, sondern kann sich auch äußern, wenn das Kind z.B. woanders übernachten soll. Trennungsängste sind in der kindlichen Entwicklung eigentlich normal – jeder kennt beispielsweise das typische “Fremdeln” zwischen dem siebten und 18. Monat.

Wann sollten Eltern “hellhörig” werden?

Wenn das Kind über mehrere Wochen hinweg auffälliges Verhalten zeigt, beispielsweise morgens nicht aufstehen möchte, schreit und weint, wenn man es in die Schule bringt oder wenn es über Kopf- oder Bauchschmerzen klagt oder – was sehr selten in diesem Zusammenhang auch auftreten kann – Fieber entwickelt, diese Symptomatik aber aufhört, wenn man das Kind zu Hause lässt. Mögliche Symptome Körperliche Symptome können Kopf- und Bauchschmerzen, seelische Anzeichen können anhaltende Wein- und Schreikrämpfe sein. Auch wenn Schulkinder plötzlich wieder einnässen, können Ängste der Grund sein.

Wann sollten Eltern handeln?

Eltern sollten die ersten drei bis vier Wochen ihr Kind beobachten, denn sobald der erste Freund gefunden ist und die Schule zum Alltag gehört – also Ersatz für die Bezugsperson gefunden wurde – verschwindet meistens auch die Trennungsangst. Eltern sollten dennoch aufmerksam bleiben und Symptome ernst nehmen. Auf keinen Fall sollten Eltern drohen, zwingen, Ängste ignorieren oder dem Kind erlauben, zu Hause zu bleiben.

Was steckt hinter den Ängsten?

Es sind auch Erziehungsmechanismen, die Ängste bei Kindern schüren. Wenn beispielsweise Mutter oder Vater zu sehr “klammern”, Kinder vor schlechten Erfahrungen schützen wollen und ihnen eigene Lernprozesse vorenthalten, kann es dazu führen, dass Kinder Angst vor Neuem und Trennungssituationen entwickeln. Beispielsweise wenn ein Kleinkind aus Neugierde davonläuft, z.B. im Kaufhaus verlorengeht und die Mutter aus Angst das Kind dann nicht mehr alleine loslaufen lässt und es überall unter Aufsicht hinbringt oder hinbringen lässt. Die gelebte Angst der Eltern kann sich also auf die Kinder übertragen. Trennungsängste können natürlich auch entstehen, wenn Kinder wichtige Bezugspersonen verloren haben, wie beispielsweise durch Scheidung oder Tod. Die vorschulischen Erfahrungen und Gefühle können dann in der Schule in Form von heftigen Trennungsängsten wieder auftauchen. Natürlich kann aber auch das Thema Entwicklung hinter den Ängsten stecken. Manchmal sind die Kinder einfach noch nicht so weit, um sich im sozialen Umfeld der Schule zurecht zu finden.

Wo gibt es Hilfe?

Hilfe bekommen Eltern über den Kinderarzt, den Schulpsychologen, den Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und als Anlaufstelle auch den psychosozialen Dienst. In schwerwiegenden Fällen hilft auch eine Klinikbehandlung mit begleitendem Schulunterricht. In die Behandlung werden auch die Eltern mit einbezogen.

Ein (anonymisierter) Fall:
Aus Angst vor Kidnapping und auch aus Angst vor Ermordung des Kindes, hatte eine Mutter, nachdem das Kind einige Stunden unauffindbar war, da es spontan zu einem Freund nach Hause gegangen war, das Kind dann nicht mehr aus den Augen gelassen, was letztendlich dazu führte, dass das Kind und die Mutter ein so enges Verhältnis lebten, dass das Kind nicht zu bewegen war, überhaupt irgendwo hinzugehen. Erst über eine Therapie von Mutter und Kind konnte langsam der Weg geöffnet werden, was zunächst über einen klinischen Aufenthalt des Kindes mit integrierter Schule passierte.

Quelle: Kreiszeitung

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