Wenn die heile Welt zerbricht

Für Kinder ist eine Scheidung häufig ein Alptraum. Gut ist, wenn man eine Freundin zum Reden hat.
( Von Vanessa Koch, 9 Jahre, Stadtteilschule Hamburg Niendorf)

Meine Eltern sind geschieden. Das geht nicht nur mir so, man hört es immer öfter. Viele Kinder und Jugendliche müssen sich für ein Elternteil entscheiden, was nicht immer leichtfällt. Manche, wie ich, verlieren das andere Elternteil nach einiger Zeit fast ganz. Ich zum Beispiel merke, wie mir mein Vater jeden Tag etwas fremder wird.  —

Zurzeit fühle ich mich wie zwischen zwei Welten, die einfach nicht zueinander passen. Sollte man, wie ich, nur E- Mail-Kontakt haben, der einen innerlich fertigmacht, hat man schon ein schlechtes Los gezogen.

Bei so einem Verlust denkt man nicht mehr, wie viel Geld man früher hatte, sondern nur noch, wie es jetzt weitergehen soll. Sicher bin ich nicht die Einzige, die ein schwieriges Leben mit mehr Tiefen als Höhen führt.

Angeblich helfen da Psychologen, wenn man innerlich in ein schwarzes Loch gefallen ist und nicht mehr rauskommt. Aber meine eigene Erfahrung hat mir das Gegenteil bewiesen.

Kein außenstehender Mensch kann wirklich in einen hineingucken. Niemand kann durch Reden alles wieder in Ordnung bringen. So geht es mir jedenfalls, obwohl die Trennung vor fünf Jahren war. Ich empfehle keinen Psychologen, sondern eine beste Freundin, bei der man sich aussprechen kann.

Meine beste Freundin steht immer hinter mir und leidet mit mir. Sie versteht mich besser als ein Psychologe.
Ohne meine beste Freundin hätte ich sicherlich mein Lachen verloren und wäre aus dem schwarzen Loch nicht mehr rausgekommen.

Natürlich sind auch Geschwister oder die Mutter wichtig. Sie sind die Einzigen, die das andere Elternteil gut kennen. Meine Familie hat mir die verlorene Kraft größtenteils wiedergegeben. Insgeheim hofft man aber, es sei alles nur ein Alptraum. Man hofft, dass man irgendwann in der heilen Welt wieder aufwacht.

Nach einiger Zeit ist diese Vorstellung allerdings sehr unwahrscheinlich und man merkt, dass das alles leider die eiskalte Realität ist.

Mein irrsinniger Wunsch ist, dass diese fünf Jahre einfach wie eine Seifenblase zerplatzen und alles so wie früher wird.

Quelle: Hamburger-Abendblatt

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