Was bedeutet Familie heute ?

PatchworkfamilieAngesichts einer zunehmenden Zahl von Familienformen und  neuen Vorstellungen von Familie, wird es immer schwerer den Begriff zu definieren. Neue Befragungen geben Einblicke, was sich Männer und Frauen heute unter Familie vorstellen.

Ein verheiratetes Paar mit Kind oder Kindern: Das gilt hierzulande noch immer als Norm für Familie. Doch immer weniger Väter, Mütter und Kinder leben so. “Etwa die Hälfte aller heute geborenen Kinder werden ihren 18. Geburtstag nicht mit beiden leiblichen Eltern verbringen”, heißt es bei “Väteraufbruch für Kinder“. — Die “klassische vollständige Kernfamilie ist heute nicht mehr die dominierende Lebensform”, schreibt Matthias Petzold, Professor für Erziehungswissenschaften an der Uni Düsseldorf, in seinem Beitrag “Familie heute” auf Familienhandbuch.de. Er führt eine Vielzahl sich teilweise überschneidender Begriffe für andere Familienkonstellationen auf, die das Spektrum der Möglichkeiten deutlich machen: “Adoptivfamilie, Ein-Eltern-Familie, Fortsetzungsfamilie, Großfamilie, Kernfamilie, Kleinfamilie, Kommune, Lebensabschnittspartnerschaften, Living-apart-together, Mehr­generationenfamilie, nichteheliche Lebensgemeinschaften, Patchwork-Familie, Pflegefamilie, SOS-Kinderdorf-Familie, Stieffamilie, Wohngemeinschaft, Zweitfamilie, Zwei-Kern-Familie.”

Eine steigende Zahl von Männern möchte Vater werden

Nicht alle Formen der Familie beinhalten Kinder. So setzt zum Beispiel das bürgerliche Recht Ehe und Familie gleich. Aus psychologischer Sicht definiert Matthias Petzold Familie so: “Familie kann als eine soziale Beziehungseinheit gekennzeichnet werden, die sich besonders durch Intimität und intergenerationelle Beziehungen auszeichnet.” Die Zahl derer, die mit Kindern leben und ihre Familie damit um eine nächste Generation bereichern wollen, scheint zu wachsen. Das geht aus dem Monitor Familienleben 2010 hervor, den das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend erstellte. Von den kinderlosen Männern unter 50 sagen 48 Prozent, dass sie bestimmt Kinder haben möchten. 2008 lag der Wert noch bei 37 Prozent. 30 Prozent der Männer möchte vielleicht Kinder. Für 20 Prozent gehört Vaterschaft nicht zum Lebenskonzept. Männer, die bereits Väter sind, planen interessanterweise eher weitere Kinder als Mütter. Von den Eltern unter 50 Jahren gaben 15 Prozent der Väter und nur zehn  Prozent der Mütter an, bestimmt weitere Kinder zu wollen.

Emotionale Nähe bestimmt Zugehörigkeit zur Familie

Welche Familienform die Befragten leben oder anstreben, wurde in der Studie nicht erhoben. Doch waren 75 Prozent der befragten Männer und Frauen der Ansicht, dass es weniger wichtig sei, dass die Partner vor der Geburt eines Kindes heirateten. Auch Ergebnisse der Vorwerk Familienstudie 2010, die ebenfalls vom Institut für Demoskopie Allensbach erarbeitet wurde, belegen Veränderungen im Verständnis von Familie. Auf die Frage, wen sie alles zur Familie rechnen, gaben die Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer spontan nicht nur Blutsverwandte, die “Schwiegerfamilie” sowie Stiefkinder, sondern vielfach auch Freundinnen und Freunde und sogar Haustiere an.

Aufgabenverteilungen in Partnerschaften wandeln sich

Zahlreiche Faktoren tragen zum Wandel der Lebensrealität in Familien bei. Einer davon ist eine sich verändernde Rollenverteilung in Paarbeziehungen, die sich auf eine gleichmäßige Teilung der Aufgaben und wirtschaftliche Eigenständigkeit der Partner zubewegt. Eine egalitäre Aufgabenteilung gilt als modern, das Konzept des “Familienernährers” verliert an Zustimmung. Eine zunehmende Vielfalt von Familienformen bringt gleichzeitig Rollenbilder in Bewegung und fordert von viele Menschen heraus, ein Gefühl für ihre Rolle in einer neuen Familiensituation zu finden. Die Vorwerk Familienstudie 2010 legt einen besonderen Fokus auf die Rolle des Mannes und stellt die Frage, was einen “moderner Mann” ausmacht. Die Untersuchung zeigt, dass die Vorstellungen von Männern und Frauen dazu auseinander gehen. Damit bestätigt die Befragung die Ergebnisse der Studie von Rainer Volz und Paul M. Zulehner “Männer in Bewegung – Zehn Jahre Männerentwicklung in Deutschland” von 2008.

Was ist ein “moderner” Mann?

Im Vergleich zur Vorwerk Familienstudie von 2007 nahm die Zahl der sich selbst als “modern” einstufenden Männer ab: von 58 auf 51 Prozent. Beantworten Männer die Frage, was denn einen modernen Mann ausmache, spontan ohne vorgegebene Antwortmöglichkeiten setzen sie andere Prioritäten als Frauen. Mit “gepflegte Erscheinung, gut gekleidet, sieht gut aus, ist modisch” werden äußerliche Aspekte am häufigsten (20 Prozent) genannt. Dem folgen “ist flexibel, offen, anpassungsfähig, kompromissbereit, weltoffen” (19 Prozent) und mit jeweils 14 Prozent “ist familienorientiert” sowie “geht im Beruf auf, ist karriereorientiert, strebsam, erfolgreich, ehrgeizig”. Bei den Frauen steht dagegen mit 28 Prozent der Nennungen “beteiligt sich an Arbeiten im Haushalt” unangefochten an erster Stelle. Gibt es vorgegebene Antworten, gleichen sich die Aussagen von Frauen und Männern stark an. Aspekte einer egalitären Partnerschaft treten in den Vordergrund. “Teilt viele Aufgaben”, “trifft alle Entscheidungen mit seiner Partnerin gemeinsam”, “schätzt eine selbstständige, selbstbewusste Partnerin” führen bei beiden Geschlechtern die Rangliste an. “Während spontane Antworten auf offene Fragen vor allem aufdecken, welche Aspekte den Befragten persönlich besonders wichtig sind, fangen strukturierte Fragen eher allgemeine Stereotype ein, gleichsam das, was ‘man’ unter einem ‘modernen Mann’ verstehen könnte,” heißt es in der Studie.

Ideal und Realität gehen oft auseinander

Die Befragung unterstreicht, dass sich viele Menschen in ihren persönlichen Haltungen an traditionellen Idealen orientieren – zum Teil obwohl sie selbst andere Modelle leben. Daher unterscheidet Matthias Petzold in seiner Familien-Typologie nicht nur nach gewählter Lebensform, sondern auch danach, ob sich jemand am normativen Ideal der Vater-Mutter-Kind-Kernfamilie ausrichtet. Die Herausforderung liegt darin, für neue Familienmodelle, die schon lange zur Lebensrealität gehören, eigenständige Rollendefinitionen zu entwickeln. Je mehr die Familienmitglieder zu diesen neuen Formen stehen und die Orientierung an vermeintlich “richtigen” Familienkonstellationen und häufig gar nicht funktionierenden “alten” Rollenbildern aufgeben, desto mehr können sie ihr Leben ihren individuellen Charakteren entsprechend gestalten.

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Quelle: Väter-nrw.de

2 Kommentare zu „Was bedeutet Familie heute ?“

  • Vielen Dank für diesen Artikel und für deine Website!
    Ich finde es toll, dass sich Männer mehr und mehr mit dem Thema “Scheidung – was jetzt?” auseinander setzen! Was nicht heißen soll, dass sie das vorher nicht getan haben.
    Mir kommt es so vor, dass Trennungsratgeber, Blogs, etc hauptsächlich von Frauen betrieben werden, darum bin ich dir sehr dankbar, die männliche Sichtweise mit rein zu bringen!
    Weiter so!

  • Gute Informationen! Ich werde mich damit in Zukunft mehr auseinandersetzen! Warte auf weitere Beitraege!

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