Betrogene Grosseltern

mutter-entfuehrt-kind-strasseMit welchem Recht setzen Erwachsene Kinder als Waffen ein?
Gestern saß in der Straßenbahn eine Großmutter mit ihrem etwa dreijährigen Enkelsohn. Der Kleine drückte strahlend seine Nase an der Fensterscheibe platt und fragte seine “Oma” pausenlos und lauthals über Dinge aus, die draußen an ihm vorbei zogen. Die ältere Dame versuchte, seine Fragen geduldig zu beantworten. Manche waren so drollig gestellt, dass ich mir ein Lachen kaum verkneifen konnte. Eine 19-jährige, die neben mir saß, schneutzte sich, und ich sah, dass ihr Tränen über die Wange zu laufen begannen. “Lustig, der Kleine,” meinte ich schmunzelnd, erkannte dann aber mit Bestürzung am Gesichtsausdruck des Mädchens, dass es lautlos vor sich hin weinte. Der Grund dafür war schnell erzählt: —

Sie hatte früher mit ihrem Bruder, den Eltern und den Großeltern väterlicherseits, die sie sehr liebte, sieben Jahre lang in einem Haus gelebt, als der Vater plötzlich bei einem Unfall starb. Zwei Jahre danach habe die Mutter einen anderen Mann kennengelernt, ihn ein Jahr später geheiratet und sei mit den beiden Kindern zu ihm gezogen, in eine beinahe 700 km entfernte Stadt. Danach habe weder sie, noch ihr vier Jahre jüngerer Bruder, jemals wieder die Großeltern gesehen.

“Fragten wir nach ihnen, wichen meine Mutter und mein Stiefvater immer wieder damit aus, dass es ihnen zu beschwerlich wäre, uns zu besuchen und wir Kinder andererseits zu klein, um alleine zu ihnen zu fahren. Sie selbst könnten nicht weg – aus geschäftlichen Gründen natürlich. Als ich die Großeltern anrufen wollte, waren sie angeblich gerade dabei, das Haus zu verkaufen, weil es ihnen zu groß geworden wäre. Dann behaupteten sie wieder, beide wären schon umgezogen und man wartete selbst schon ungeduldig darauf, dass sie die neue Adresse und Telefonnummer schickten. Immer neue Ausreden… Irgendwie verschaffte meine Mutter bei meinem kleinen Bruder und mir endgültig den Eindruck, dass Oma und Opa nichts mehr von uns wissen wollten. Fragten wir doch ab und zu nach dem Grund, schrie sie uns an, bis wir uns nichts mehr getrauten,” erzählte sie.

Bis heute vermisse sie ihre Großeltern, die unsagbar liebe Menschen gewesen seien. Da ihre Mutter halbtags, dann nach dem Tod ihres Vaters, der beruflich sehr viel unterwegs gewesen sei, ganztags gearbeitet habe, seien in erster Linie die Großeltern ihre wichtigsten Bezugspersonen gewesen.

“Meine Mutter und ihr Mann waren nach meinem 18. Geburtstag kurz verreist,” fuhr sie fort. “Ich brauchte plötzlich meine Geburtsurkunde und begann in den Ordnern meiner Mutter danach zu suchen. Da fand ich einen, in dem ich auf Schreiben zwischen meiner Mutter und meinen Großeltern, aber auch auf Schreiben eines Anwalts stieß, der ihnen mit einem Gerichtsverfahren gedroht hatte. Aus allen ging hevor, dass meine Mutter Oma und Opa den Kontakt mit meinem Bruder und mir verboten hatte und ihnen gedroht wurde, das Gericht würde ihnen sowieso das Umgangsrecht absprechen.”

“Und dann?” fragte ich.

“Dann war erst einmal die Hölle los. Ich bekam erst einmal Mordsprobleme, weil ich ungefragt an die Unterlagen meiner Mutter gegangen war. Dann sagte sie, es wäre ihr nur um unser Wohl gegangen. Es wäre sehr wichtig gewesen, uns an den Stiefvater und seine Familie zu gewöhnen. Meine Vater und meine Mutter waren beide Einzelkinder, und ihre Eltern waren früh kurz hintereinander gestorben. Ich war knapp fünf und erinnere mich nur noch schwach an sie. Aber sie waren auch sehr lieb, fast genauso wie die Eltern meines Vaters. Als mein Bruder und ich dachten, dass diese nichts mehr von uns wissen wollten, hielten wir uns zwangsläufig an die Eltern meines Stiefvaters. Aber dann erkannte ich, dass sie auch ihren Teil beigesteuert hatten, damit wir und unsere Großeltern den Kontakt verloren.”

Das, was für sie das Schlimmste war, kam nach. Ihre Mutter habe sie informieren müssen, dass beide mittlerweile tot seien; die Großmutter seit vier Jahren, der Großvater seit knapp zwei Jahren. Sie habe es ihr nicht glauben wollen, bis sie ihr zwei Briefe zeigte, den ihr die jüngere Schwester der Großmutter geschrieben hatte.

“Ich habe mir ihren Namen und ihre Adresse gemerkt, ihre Telefonnummer herausbekommen und sie einfach angerufen. Dann habe ich ihr geschrieben, und sie hat ihre Antworten an die Adresse meiner besten Freundin geschickt. Aus ihren Briefen erfuhr ich, dass meine Großeltern meinen Bruder und mich schrecklich vermissten und sich um uns sorgten, aber nach dem Einschalten eines Anwalts resignierten, weil sie uns nie zum Gegenstand eines Gerichtsverfahren machen wollten. Plötzlich wurde einer nach dem anderen krank und sie starben relativ kurz nacheinander. Was meine Mutter, ihr Mann, seine Eltern und deren Anwalt gemacht hatten, war wirklich eine riesengroße Schweinerei.”

Da sie bald aussteigen musste, erzählte sie hastiger als zuvor zu Ende. Sie habe das Abitur gemacht und beschlossen, von zu Hause auszuziehen. Die ledig gebliebene, wesentlich jüngere und noch kerngesunde Schwester der Großmutter wohne in der Umgebung Düsseldorfs und habe ihr angeboten, bei ihr zu leben. Da sie studiert und einen sehr hoch bezahlten Beruf ausgeübt hatte, habe sie eine sehr gute Rente und könne ihr notfalls das ganze Studium finanzieren.

“Ich muss hier nur noch einen Studienplatz finden,” verabschiedete sie sich schließlich und bat mich, ihr beide Daumen zu drücken. Ich versprach es ihr.

Tod eines Elternteil, Scheidung – immer wieder ist aus den Medien zu erfahren, dass dadurch Kinder von Müttern, aber nach einem Auseinandergehen der Ehepaare in mehr Fällen von Vätern, in einigen auch von Großeltern oder anderen engen Verwandten, ein für alle Mal getrennt werden, nur weil es der eine Elternteil so wolle. Bei minderjährigen Kindern werde stets über ihre Köpfe hinweg entschieden und auch selbst wenn der einzige Ausschlussgrund, die Gefährdung des Kindeswohl, nicht vorliege, die Gerichte den Umgang mit der sogenannten beklagten Partei immer wieder aussetzten. Deren Widersprüche gegen das Umgangsverbot zögen sich unter Umständen jahrelang hin und verschlängen eine Unsumme von Geld und Kraft.

Erst kürzlich hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg zwei Mal deutsche Gerichte wegen Verletzung der Menschenrechte gerügt. Vor allem “verwaiste” Väter haben sich zu der Väterinitiative paPPa.com zusammengeschlossen. Diese hatte auch vor fast genau sechs Jahren den Hungerstreik unterstützt, den 7 französiche und amerikanische Väter am 13. Juli 2001 in Berlin begonnen hatten, weil sie seit Jahren ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen, und die der deutschen Regierung vorwarfen, die selbst unterschriebenen Verträge wie die Haager Konvention oder die UN-Kinderrechtskonventionen in Deutschland nicht gelten zu lassen.

Offensichtlich werden weltweit Kinder, und dies nicht gerade im kleinen Stil, als Waffen gegen Mütter, Väter, Großeltern und andere Verwandte benutzt.

Im Gegensatz zu den USA werden erst jetzt allmählich in Deutschland die Schäden, die bei dem bzw. den Familienangehörigen durch den Verlust eines Kindes durch ungerechtfertigten Gerichtsbeschluss entstehen, erforscht, und die gewonnennen Erkenntnissen klingen erschreckend: Diese Menschen seien viel höher von Unfällen oder von psychischen und physichen Erkrankungen betroffen, seien auch neun Mal suizidgefährdeter als andere.

Und wie ergeht es erst dann den Kindern? Obwohl die Gerichte wissen, dass mangelnde “Bindungstoleranz” und Umgangsunterbindung grundsätzlich kindeswohlbeeinträchtigend sind, sprechen sie in etlichen Fällen doch ein anderes Urteil.

“Zum Wohl des Kindes” – oft nur leere Worte?!

Quelle: Mediengruppe Rheinische-Post von azrail

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