Am Tag, an dem das Herz weniger schmerzt

Ehescheidungen betreffen fast die Hälfte aller minderjährigen Kinder – „Ich wollte nicht, dass mein Vater traurig ist“

Viele Eltern merken nicht, wie ihre Kinder wirklich leiden. Wenn die Ehe langsam zerbricht und das Herz schon lange nicht mehr für den Partner schlägt, ist oft die Scheidung der einzige Ausweg für die Eltern. Im Jahr 2008 wurden nach Informationen des Bundesamtes für Statistik in Deutschland 191948 Ehen gerichtlich geschieden, das waren 4 876 Scheidungen oder 2, 6 Prozent mehr als im Jahr 2007.

Der Anteil der geschiedenen Ehen mit minderjährigen Kindern stieg verglichen mit dem Jahr 2007 leicht von 49,0 auf 49,2 Prozent. Im Jahr 2008 waren insgesamt 150187 minderjährige Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, 5206 Kinder mehr als im Vorjahr. —

Eltern denken, dass sich die Kinder besser fühlen, wenn sie nicht den täglichen Auseinandersetzungen der Eltern ausgesetzt sind. Doch wie geht es den Scheidungskindern nach der Trennung wirklich? Zu diesem Thema haben wir zwei Scheidungskinder, Jana (15) und Sandy (16), interviewt:

„Jana, deine Eltern sind seit drei Jahren geschieden, du lebst bei deinem Vater und deine Mutter siehst du regelmäßig. Viele Scheidungskinder denken, sie seien an der Trennung ihrer Eltern schuld. Wie war das bei dir?“

Jana: „Mir ging es auch so. Naja, ich dachte wegen diesen und jenen Kleinigkeiten streiten sie sich jetzt über mich.“

„Und wie kommst du heute damit klar?“

Jana: „Ja, man denkt halt, wie es wäre, wenn die Eltern noch zusammen wären. Aber, da sich meine Eltern ja vertragen, ist es nicht mal so schlimm.“

„Und nun zu dir Sandy. Deine Eltern trennten sich, als du drei Jahre alt warst. Du hast bei deinem Vater gewohnt und vor drei Jahren bist du zu deiner Mutter gezogen. Wie geht es dir mit der Trennung?“

Sandy: „Viele denken zwar, dass es besser ist, wenn die Eltern sich trennen, wenn man klein ist, aber eigentlich ist es genauso, wie wenn man älter ist. Ich muss die ganze Zeit hin und her pendeln, ich kann nicht mit beiden reden, da muss ich dann immer telefonieren. Man vermisst ja auch den anderen Elternteil. Also ist es schon blöd.“

„Und was hat dich getröstet?“

Sandy: „Als ich weggegangen bin, hat mein Papa eine neue Frau kennengelernt, die er dann heiratete und nun hat er auch ein Kind mit ihr, ich wollte halt, dass er nicht alleine ist.“

Für Kinder ist es immer schmerzlich, wenn die Eltern nicht mehr zusammen sind. Doch wie schwierig die Familiensituation auch wird, Trost ist überall zu finden, ob bei Freunden, in Tagebüchern, in einem Gespräch mit den Eltern oder bei dem bundesweit arbeitenden Kinderschutzbund, der in vielen Schulen – so auch in der Gesamtschule Vogelsberg – Sprechstunden abhält und Gespräche anbietet. Manchmal tröstet aber nur die Erkenntnis, dass die Eltern nicht einsam sind und es ihnen nach der Trennung wieder besser geht. Irgendwann kommt der Tag, an dem das Herz weniger schmerzt und die Tage wieder heller erscheinen.

Linda Malien und Rebekka Maurer,

Klasse 9aR, Gesamtschule Schotten

Quelle: Kreis-Anzeiger

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