Mutter zu Bewährungsstrafe verurteilt weil sie ihren Sohn verschleppt hat

Für die Entführung ihres eigenen Sohnes wurde eine Polnisch-Dolmetscherin (42) vom Amtsgericht zu 14 Monaten Bewährungsstrafe verurteilt. Wegen einer früheren Entführung war sie 2005 bereits zu sechs Monaten verurteilt worden. Damals hatte sie den gerade vierjährigen Jungen für neun Monate in ihre polnische Heimat gebracht. Dafür stand sie noch unter Bewährung, als sie das schreiende Kind im Oktober 2008 mit Helfershelfern an der Straße wieder in ein Auto zerrte und dann fünf Monate in Polen von allen Kontakten abschirmte. Und doch kam das Amtsgericht erneut zu einer milden Beurteilung. Angeblich sei Frieden eingekehrt im erbitterten Streit der Mutter mit dem Vater des Jungen.

Diese zweite Entführung des Kindes war der Gipfel eines jahrelangen Dramas. Begonnen hatte das Gezerre um das Kind, als sich die Dolmetscherin und ein Ministerialbeamter aus Düsseldorf 2002 scheiden ließen. Die Frau wollte danach mit dem Jungen nach Polen, der Vater widersprach, ein Gericht gab ihm Recht, die Mutter reiste 2003 trotzdem mit Kind aus. Nach neun Monaten erwirkte der Vater, dass ein polnisches Gericht die Rückkehr des Vierjährigen anordnete. Seitdem lebte der Kleine beim Vater und dessen zweiter Frau. Bis die Mutter dem Sprössling Ende 2008 auflauerte, ihn wieder nach Polen brachte und dort in Medien behauptete, der deutsche Staat wolle Kinder zwangsweise “arisieren”, Jugendämter und Gerichte würden auf Druck des Vaters jeden Mutter-Kontakt zum Sohn verhindern.

Erst als der Angeklagten ein internationaler Haftbefehl drohte, ließ sie den schwer verstörten Jungen zurück zum Vater. Das Verschleppen ihres Kindes gab sie gestern zu – aber nur hinter verschlossenen Türen. Denn nachdem die Angeklagte ihren Sohn 2008 sogar mit einem polnischen Fernsehteam besucht hatte und trotz ihres Medienwirbels nach der zweiten Entführung in Polen wollte sie gestern nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen.

Angeblich hege sie tiefe mütterliche Sorge um den Persönlichkeitsschutz des von ihr zweifach verschleppten Opfers. Und das Gericht gab ihrer Forderung nach. Um die Verhandlung nicht zu gefährden, schickten die Richter die Zuschauer vor die Tür. Stunden später erging die erneute Bewährungsstrafe gegen die 42-Jährige.

Zudem muss sie jetzt 10 000 Euro jener Kosten zahlen, die dem Vater durch den internationalen Rechtsstreit entstanden sind. Als Begründung teilte das Gericht mit, die Beteiligten hätten sich friedlich auf einen Umgang mit dem inzwischen elfjährigen Jungen geeinigt. Über den Zustand des Kindes nach diesem Hickhack ist nichts bekannt geworden.

Quelle: RP-Online, Rheinische Post

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