Beweise für Verurteilung zu wenig

36-Jähriger vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eines Kindes freigesprochen

Ist er pädophil und hat seine siebenjährige Stieftochter unsittlich berührt? Oder war er Opfer der geschiedenen Ehefrau, die lange nach dem angeblichen Vorkommnis Anzeige wegen sexuellen Missbrauches erstattet hat? Hubert M. (Name geändert) wurde von diesem Vorwurf freigesprochen. Die Aussage der Tante des Angeklagten, bei der die Siebenjährige lebt, gab den Ausschlag.

SCHWABACH – Staatsanwalt Dr. Roland Fleury warf dem 36-jährigen Arbeiter aus Schwabach vor, in einem nicht näher bezeichneten Zeitraum zwischen dem 22. Februar und 16. März 2008 der Tochter seiner mittlerweile geschiedenen Frau unter den Schlafanzug gegriffen und die Scheide des Kindes berührt zu haben.

»Da war absolut nichts«, versichert dagegen der 36-Jährige mehrmals. Zeugen müssen also gehört werden, und da wird Rechtsanwalt Dr. Willi Gramming aktiv. Er verweist darauf, dass das Kind ein Zeugnisverweigerungsrecht habe.

Jugendrichter Reinhard Hader holt zunächst die 33-jährige geschiedene Ehefrau in den Sitzungssaal. Sie will von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen und beantragt das auch für ihre Tochter. Ohnehin könne sie zu dem Fall nicht viel sagen, meint sie, und sie wisse auch nicht, was sie von der Angelegenheit halten soll: »Mal denke ich in die eine, mal in die andere Richtung.«

Die Tante des Angeklagten, bei der der 36-Jährige wohnt, hätte auch nicht aussagen müssen. »Ich hab‘ doch nichts zu verbergen«, meinte sie aber und klärt das Gericht über die Wohnsituation und die familiären Verhältnisse auf. Das angeblich missbrauchte Mädchen sei seit Weihnachten nicht mehr bei der Mutter gewesen, sagte die Zeugin, die auch den gemeinsamen Sohn der mittlerweile geschiedenen Eheleute bei sich aufgenommen hat.

Zu dem angeblichen Vorfall konnte sie dann nur sagen, was sie von der Siebenjährigen gehört hatte. Die Mama habe gesagt, sie solle das so erzählen, habe ihr das Mädchen mehrmals gesagt, erklärte die Pflegemutter auf Nachfrage des Richters. Der sah hier zwar wie Staatsanwalt Fleury Unterschiede zur polizeilichen Vernehmung, doch in der Beweisaufnahme gilt eben, was im Gerichtssaal ausgesagt wird. Ein psychologisches Gutachten zur Glaubwürdigkeit des Kindes gab es nicht, da die Mutter der Siebenjährigen, die das alleinige Sorgerecht für die Kinder hat, einen Termin im April dieses Jahres kurzfristig mit der Begründung abgesagt hatte, ihre Tochter wolle keine Angaben zu dem Fall machen.

»Wie machen wir weiter?«, fragte Reinhard Hader, dem klar war, dass das Verfahren auf einen Freispruch hinausläuft. Den beantragten schließlich auch Staatsanwalt Dr. Roland Fleury und Pflichtverteidiger Dr. Gramming. Die Beweisaufnahme habe ergeben, »dass es sich hier um ein Komplott gehandelt hat«, meinte der Rechtsanwalt. Man habe versucht, seinem Mandanten eins reinzudrücken, doch dann kalte Füße bekommen.

Irgendwie »a Gschmäckle« hatte für Jugendrichter Reinhard Hader dennoch die Angelegenheit. Für eine Verurteilung reiche es aber nicht, meinte er und sprach Hubert M. vom Vorwurf des sexuellen Missbrauches frei.

Lesen Sie zu diesem Thema auch die BlogBerichte:
Der Missbrauch mit dem Missbrauch
Der “Missbrauch mit dem Missbrauch” ist kein harmloses Kavaliersdelikt

Quelle: Schwabacher Tageblatt

Kommentieren ist momentan nicht möglich.

Nachrichtenarchiv
Networked Blogs

Thumbnail Screenshots by Thumbshots