Wenn Kinder einfach gestohlen werden

Kindesentführung und der Kampf ums Sorgerecht

Die Fälle klingen wie Krimis – und sind doch Dramen um elterliche Sorge und Konflikte zwischen Weltanschauungen oder sozialer und leiblicher Elternschaft. Es sind schreckliche Rosenkriege, die vor deutschen Gerichten um Kinder ausgetragen werden.

Entführung nach Rumänien

In einem Fall stapeln sich bereits die Gutachten – das Oberlandesgericht Nürnberg beschäftigt sich derzeit mit dem Gezerre um die kleine Fatma M. (Namen der Betroffenen geändert). —
Fatma war vier Wochen alt, als sie am 13.März 2008 bei der Familie M. einzog. Ihre leiblichen Eltern haben zwei weitere Kinder, alle drei Geschwister wachsen aufgrund von sozialen Schwierigkeiten der Eltern in Pflegefamilien auf. Doch am 30.Dezember 2009 entführte die leibliche Mutter das Mädchen nach Rumänien. Der leibliche Vater griff ein, brachte das Kind zu seinen Verwandten nach Izmir in der Türkei. Bis heute lebt Fatma in der türkischen Großfamilie ihres leiblichen Vaters, die Mutter ist mittlerweile abgetaucht, wird als Vermisste selbst von der rumänischen Botschaft gesucht. Der Vater selbst lebt, ebenso wie die Pflegeeltern, in Regensburg. Sie sind verzweifelt, das Mädchen lieben sie wie ihr eigenes Kind. Nur: Fatma war nie zur Adoption freigegeben worden.

Was ist für Fatma am Besten?

Fatmas Pflegemutter Doris M. versichert: Trotz der zugespitzen Situation wollen sie und ihr Mann den leiblichen Eltern das Kind nicht wegnehmen – aber im Fall einer Rückkehr eines Pflegekindes in seine Herkunftsfamilie muss das Kind liebvoll betreut werden und dazu bereit sein. Fatma ist nicht das erste Pflegekind von Doris M., und der Pflegemutter ist bekannt, dass es, rechtlich betrachtet, in den ersten beiden Jahren der Unterbringung immer die Option »Rückführung« gibt. Aber sie weiß auch, dass die Rückkehr in die Herkunftsfamilie an Bedingungen geknüpft ist und gut vorbereitet durch das Jugendamt erfolgt. Im Fall von Fatma spricht sie aber von einer Entführung und kämpft gerichtlich um das kleine Mädchen.
Das Sorgerecht für Fatma liegt gemeinsam bei der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg und dem Vater – für eine Stellungnahme für das Familiengericht wurde eine Gutachterin nach Izmir entsandt. Sie hält es für vereinbar mit dem Kindswohl, Fatma in der Türkei zu lassen. Die Entscheidung der Familienrichterin in Regensburg orientierte sich am Gutachten und fiel eindeutig aus – Fatma darf in der Türkei bleiben.

Richter müssen über das Wohl der Kinder entscheiden

Doch Doris M. lässt nicht locker. Sie reichte Beschwerde beim Oberlandesgericht Nürnberg ein. Sie behauptet, die Gutachterin habe Fatmas Kindertagesstätte wegen der damaligen Ferienzeit nur von außen besichtigen können und nur wenige Stunden mit Fatma selbst gesprochen. Nun hofft Doris M. auf die Staatsanwaltschaft: Gegen Fatmas leibliche Eltern und einen Mitarbeiter der Katholischen Jugendfürsorge liegt eine Anzeige vor; ermittelt wird wegen des »Verdachts auf Kindesentführung, Kinderhandel, Körperverletzung und Beihilfe«.
Und auch Doris M. hat nun Kinder- und Jugendtherapeuten eingeschaltet und Gutachten erstellen lassen. Heraus kam ein konträres Urteil zum gegnerischen Gutachten. Tenor: Steht das Kindeswohl im Mittelpunkt, muss Fatma zurückgeführt werden. Was für Ines und Fatma am Besten ist? Die Richter müssen es herausfinden.

Quelle: Roth-Hilpolsteiner Zeitung

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