Wenn der Nachwuchs zum Druckmittel wird

Selbst wenn sich verfeindete Eltern auf eine Umgangsregelung geeinigt haben, die dem Vater ein regelmäßiges Besuchsrecht einräumt, kommt es in der Praxis häufig zu Problemen.

Oft werden Kinder im Streit mit dem Ex-Partner instrumentalisiert. Getreu dem Motto „Zeige Wohlverhalten, oder du darfst deine Kinder nicht sehen“ platzen fest vereinbarte Termine: Das Kind wird plötzlich krank oder die Geburtstagsfeiern der Schulkameraden fallen auf einmal nur noch auf jene Wochenenden, die eigentlich für den anderen Elternteil reserviert waren. Ein solches Verhalten verstößt eindeutig gegen die gesetzlichen Regelungen. — Der ausgebremste Elternteil kann und sollte sich auf jeden Fall wehren. Im Interesse des gemeinsamen Kindes.
Doch solch ein Kindesentzug kann sehr teuer werden.
Um rechtliche Sanktionen gegen den boykottierenden Ex-Partner durchzusetzen, reicht es zwar nicht aus, dass dieser ein oder zwei Wochenendtermine hat platzen lassen. Wenn sich derartige Vorfälle jedoch häufen und die ernsthafte Gefahr der Entfremdung und Manipulation des Kindes besteht, hat der umgangsberechtigte Elternteil durchaus Möglichkeiten, seine Rechte durchzusetzen. Das Familiengericht hat in solchen Fällen die Möglichkeit, ein Zwangsgeld gegen den Elternteil zu verhängen, der das Umgangsrecht unterwandert. Die Strafzahlung richtet sich nach den finanziellen Verhältnissen des Betroffenen und kann in gehobenen Einkommensklassen schnell in vierstellige Höhen klettern.
Führt auch diese Sanktion nicht zum gewünschten Ergebnis, gehen die Gerichte zum Teil sogar noch weiter. Die „fortgesetzte massive und schuldhafte Vereitelung des Umgangsrechts“ können sie mit dem „Ausschluss oder einer Herabsetzung des Unterhaltsanspruchs des betreuenden Elternteils“ (BGH XII ZR 158/04) ahnden.
Das heißt: Eine Mutter, die dem Kind das Umgangsrecht mit seinem Vater verwehrt, kann sich umgekehrt nicht hinstellen und sich ihren Lebensunterhalt sponsern lassen. In besonders drastischen Fällen riskiert die Mutter außerdem den völligen Verlust des Sorgerechts oder des Aufenthaltsbetimmungrechts an den Vater.
Tipp: Da die gerichtliche Klärung von Sorgerechtsstreitigkeiten meist mit erheblichen Kosten verbunden ist, raten Experten, vor einer Klage zunächst das Jugendamt einzuschalten. „Die Ansprechpartner dort sind speziell für solche Situationen geschult und müssen immer unparteiisch sein, sie schaffen es manchmal auch, eine gütliche Einigung ohne weiteren Gerichtsprozess herbeizuführen.
Weiterer Vorteil: Die Beratung ist kostenlos und oft deutlich schneller als ein Verfahren vor dem Familiengericht. Sollte doch ein Gerichtsprozess unumgänglich sein, wird häufig der zuständige Jugendamtmitarbeiter zur Beratung des Gerichtes mit hinzugezogen.

Quelle: Focus.de, Wikipaedia

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