Wenn Mütter Kinder entziehen

Viele Sprösslinge verbringen die Feiertage regelmäßig ohne ihren Papa. Mehr als 50% aller Scheidungskinder sehen bereits ein Jahr nach der Trennung ihren Vater nicht mehr.
Teils, weil dieser den Kontakt ablehnt, aber auch weil die Mutter den Umgang der Kinder mit ihm unterbindet.

Deshalb will der Verein Väteraufbruch für Kinder e.V. schon seit einigen Jahren an Heiligabend mit Mahnwachen auf die verlassenen Väter aufmerksam machen.

Endlich, Heiligabend, 16.00 Uhr, es ist dunkel, die Gans im Ofen und die Familie adrett frisiert. Am Weihnachtsbaum funkeln die Lichter mit den erwartungsvollen Augen der Kleinen um die Wette. Und dann: Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all. Oder auch nicht.

Viele Sprösslinge verbringen die Feiertage regelmäßig ohne ihren Papa. Mehr als 50% aller Scheidungskinder sehen bereits ein Jahr nach der Trennung ihren Vater nicht mehr.
Teils, weil dieser den Kontakt ablehnt, aber auch weil die Mutter den Umgang der Kinder mit ihm unterbindet. Deshalb will der Verein Väteraufbruch für Kinder schon seit einigen Jahren an Heiligabend mit Mahnwachen auf die verlassenen Väter aufmerksam machen.

Hans-Günther Mettner ist einer von ihnen. “1995, am 28. Januar habe ich meine beiden Kinder das letzte Mal gesehen”, erinnert sich der 42-Jährige genau. Im Treppenhaus haben sie gestanden, als er die Söhne im Rahmen des 14-tägigen Besuchsrechts abholen wollte und nicht durfte. Am ersten Weihnachtstag war er mit ihnen noch zu den Großeltern gefahren.

Aber an den darauffolgenden Terminen erklärte die Mutter beharrlich, die Jungen hätten keine Lust, ihn zu sehen. “Es ging mir an die Nerven, dass die Kinder mich anlügen mussten”, erzählt Mettner.

Deshalb hatte er sich bereits auf dem Hinweg entschlossen nach einer anderen Lösung zu suchen, falls er abermals das Wochenende nicht mit seinen Söhnen verbringen könnte.

Als er an der Tür wieder abgewiesen wurde, schloss er den damals fünfjährigen Thomas in die Arme und sagte: “Ich bin sehr traurig,
dass ihr den Papa nicht mehr sehen wollt.

Aber du darfst nie vergessen, dass ich dich und deinen Bruder trotzdem liebe.” Woraufhin sein Jüngster sich zur Mutter umdrehte und sagte: “Siehst du, der Papa hat mich doch noch lieb!”

Diesen Ereignissen war ein Streit ums Geld vorausgegangen: “Wir hatten vorgerichtlich beim Notar eine finanzielle Regelung getroffen”, erläutert Mettner. Aber eine Woche vor dem Scheidungstermin flatterte ihm eine höhere Forderung vom Anwalt seiner Frau ins Haus, gegen die er sich vor Gericht wehrte.

Vorm Oberlandesgericht kam es schließlich zu einem Vergleich, der besagte, dass er für die Kinder Unterhalt zahlen müsse, die Ehefrau jedoch keinen Anspruch darauf hätte. “Von dem Moment an, als ich gewonnen hatte und sie wieder arbeiten gehen musste, durfte ich die Kinder nicht mehr sehen”, schließt er und ist sich sicher: “Die wusste genau, wie sehr ich Thomas und Christoph liebe und dass sie mich damit trifft.”

Hans-Günther Mettner wandte sich ans Jugendamt. Doch das Gespräch mit seiner ehemaligen Frau und der Amtsleiterin verlief für ihn enttäuschend. Seine Ex-Frau habe geltend gemacht, dass sie das Sorgerecht habe und den Wunsch der Kinder akzeptiere. “Am meisten ärgert mich, dass ich bei der Scheidung nicht einmal versucht habe, ein gemeinsames Sorgerecht zu bekommen.

Aber das wurde in Hessen als nicht üblich angesehen!”, erbost sich Mettner. Seine Anwältin habe ihm damals abgeraten, da sie höchstens eine zehn prozentige Chance gehabt hätten. “Aber nun stand ich rechtlos da.”

Also nahm Hans-Günther Mettner einen neuen Anwalt und zog vor das Familiengericht. Das kam im Januar 1996 auch zu dem Schluss, dass er seine Söhne liebevoll behandle und deshalb auch das Recht habe, sie 14-tägig zu sehen.

Außerdem hieß es wörtlich in der Urteilsbegründung: “Die Kinder wissen, dass es der Kindsmutter am liebsten wäre, wenn der Kindsvater im Leben der Kinder keine Rolle mehr spielen würde.” Aber, dass es von der Mutter zu erwarten sei, den Umgang zwischen Kindern und Vater zu fördern.

Als er am folgenden Wochenende die Jungen abholen wollte, hieß es abermals: “Sie hätten keine Lust.” Die einzige Möglichkeit, sein Besuchsrecht durchzusetzen, wäre gewesen, das nächste Mal mit der Polizei und dem Gerichtsvollzieher zu kommen. “Und das würde ich meinen Kindern nie antun”, betont der gelernte Industriekaufmann.

Herr Mettner resignierte und der “Kontakt” beschränkte sich auf die Unterhaltszahlungen. Bis 1998: Dem Selbständigen war gerade sein Hauptauftraggeber weggebrochen, so dass er keine finanzielle Perspektive mehr sah. “Da bekam ich an einem Freitag, als ich im Auto saß, einen Anruf von meiner Sekretärin.” Sein Sohn Christoph war überraschend vorbei gekommen, um ihn zu besuchen. “Ich war gerade 250 Kilometer weit weg. Deshalb haben wir uns für 15.00 Uhr verabredet und ich habe alle meine Termine abgesagt und bin zurückgefahren. Um viertel nach zwei stand mein Großer schon vor der Tür”, erzählt der Vater glücklich.

Den ganzen Nachmittag hätten sie sich unterhalten. Stolz habe der Sohn seinem Papa das selbst zusammen gesparte Fahrrad vorgeführt und gefragt, ob er ihn auch nächste Woche besuchen dürfte. “Selbstverständlich! Meine Tür steht dir immer offen.”

Zum Abschied habe Cristoph gesagt: “Mensch, das ist so schön, dass ich dich wiederhabe, das muss ich heute abend unbedingt Mama und Oma erzählen!” Dem souveränen Mann treten jetzt noch die Tränen in die Augen als er weiterspricht: “Der kam nie wieder.”

Und weil er das nicht mehr ertragen hat, beging er eine große Dummheit, wie er heute sagt: Neujahr 1999 ist er abgehauen in die Dominikanische Republik. Doch weil er dort aufgrund der unsicheren gesellschaftlichen Lage auch keine Zukunft für sich sah, kam er im Juni diesen Jahres zurück.

Inzwischen lag ein Haftbefehl gegen ihn vor, weil er den Unterhalt nicht bezahlt hatte. Deshalb hinterlegten seine Eltern erst mal 12500 EUR als Sicherheit und streckten auch das Geld für den Anwalt vor. Bereits nach einem Monat hatte Mettner Arbeit gefunden und zahlte wieder regelmäßig Unterhalt.

Für die Firma ist er nach Berlin umgezogen. Allerdings auch, um Abstand zu gewinnen. Denn ein Ende der Odyssee ist nicht in Sicht: Der Brief, in dem er Thomas und Christoph um Verzeihung bittet, kam ungeöffnet zurück. “Annahme verweigert” stand in einer Kinderschrift darauf.

Als er Christoph zum 13.Geburtstag gratulieren wollte, beschimpfte ihn dieser und legte auf. Im November, an Thomas 11. Geburtstag, war “kein Anschluss unter dieser Nummer”.

Das war der Auslöser für Hans-Günther Mettner, sich dem Väteraufbruch für Kinder e.V. anzuschließen. “Ich engagiere mich auch, um das Gefühl der Machtlosigkeit los zu werden”, sagt er.

Und so gestaltet er jetzt Plakate und organisiert die Mahnwache vor der Gedächtniskirche mit, um die Öffentlichkeit auf diese Problematik hinzuweisen. Außerdem müssten neue Gesetze geschaffen werden: “Es kann nicht sein, dass ein einziger nach der Trennung soviel Macht bekommt.” Und dann fügt er noch hinzu: “Das ist das letzte Mittel einer Frau, dem Mann richtig eins rein zu drücken. Nämlich hier, wo es weh tut”, und zeigt auf sein Herz.

Wer mehr über den Verein “Väteraufbruch” wissen möchte oder die Adressen der einzelnen Ortsvereine sucht, kann sich unter www.vafk.de informieren oder per Email an info@vafk.de wenden oder die bundesweite Hotline anrufen: 0180-5120120

Eine Reportage über verlassene Väter von Marion Lemker auf Kinder.de.

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