Ein Vater kämpft für seinen Sohn

Schmale Brille, lichtes Haar, blasser Teint – wie ein typischer Held sieht Detlef Fürste nicht gerade aus. Doch manch einer sieht in ihm genau das. Der 45-Jährige aus dem ostwestfälischen Bad Oeynhausen gilt seit dieser Woche als Vorkämpfer der unverheirateten Väter.
Er war es, der mit seiner Klage vor dem Bundesverfassungsgericht das bahnbrechende Sorgerechtsurteil erstritten hat. Nun sollen Väter, die nie mit der Mutter ihres Kindes verheiratet waren, auch ohne Zustimmung ihrer Ex-Partnerin die “elterliche Sorge” für gemeinsame Kinder erhalten können.
Jahrelang hat sich Detlef Fürste als Erzeuger ohne Rechte gefühlt, jetzt hat ihm das oberste deutsche Gericht Recht gegeben. Dass ihrer Klage stattgegeben wurde, erfuhren Vater und Sohn im Urlaub an der Nordsee. “Ich sehe das Urteil nicht nur als Erfolg für uns beide, sondern als Gewinn für viele Väter und Kinder in Deutschland”, kommentierte er den Spruch der Karlsruher Richter. — Der Angestellte und die Mutter seines heute zwölf Jahre alten Sohnes trennten sich noch während der Schwangerschaft. Ein gemeinsames Sorgerecht lehnte die Frau ab. Der Kampf durch die Instanzen der Justiz begann mit der innigen Bitte seines Kindes. Als die Mutter plante, ins weit entfernte Kiel umzuziehen, ging es seinem Sohn sehr schlecht. “Er hatte unwahrscheinliche Angst, dass er seinen Vater verliert”, erinnert sich Fürste. Wie es ein guter Papa macht, kümmerte er sich und zog vor Gericht. “Ich habe das für meinen Sohn getan.”

Aber gewiss auch für sich. Er wollte für sein Kind gerne mehr sein als ein Bekannter, er wollte erfahren dürfen, wie es um schulische Leistungen und die Gesundheit seines Kindes steht. Doch das Amtsgericht Bad Oeynhausen und das Oberlandesgericht Hamm wiesen das Anliegen des Vaters zurück. “Für mich ist mein Sohn der Held. Ohne ihn gäbe es das Urteil nicht. Seine Aussagen vor Gericht haben Wirkung gezeigt.”

Fürste ist stolz, dass sein damals zehn Jahre alter Sohn den Familienrichtern deutlich machte, dass er mit seinem Papa zusammen sein will. Dass die beiden sich mittlerweile öfter sehen als gerichtlich verfügt, hat Fürste auch seinem hartnäckigen Jungen zu verdanken. Er hofft nun, dass das Urteil anderen, weniger privilegierten ledigen Vätern helfen wird. Von der Politik erwartet er ein Gesetz, das wirkliche Chancengleichheit zwischen Müttern und Vätern herstellt.

Per E-Mail haben den engagierten Vater schon etliche Glückwünsche erreicht, und auch im Urlaub gratulierten ihm unbekannte Väter zu seinem Erfolg. “Der Zuspruch ist enorm. So bekommt man mit, wie viele Väter von diesem Schicksal betroffen sind.” Ob Fürste das Sorgerecht für seinen Sohn erhält, muss nun das Amtsgericht in Bad Oeynhausen klären. “Die verlorene Zeit mit dem Kind gibt einem aber keiner wieder.”

Quelle: Welt Online von Katharina Bons

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